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: Sein Name ist Brown, Dan Brown

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Seine literarischen Vorbilder sind John Steinbeck, Robert Ludlum und Shakespeare. Den ersten bewundert er für seine Beschreibungen, den zweiten für die Kunstfertigkeit des Plots und den dritten für seinen Wortwitz. Wer glaubt, daß dieses Puzzle nicht aufgehen könnte, hat recht, wird aber dennoch von der Wirklichkeit der internationalen Bestellerlisten eines Besseren belehrt.

          Seine literarischen Vorbilder sind John Steinbeck, Robert Ludlum und Shakespeare. Den ersten bewundert er für seine Beschreibungen, den zweiten für die Kunstfertigkeit des Plots und den dritten für seinen Wortwitz. Wer glaubt, daß dieses Puzzle nicht aufgehen könnte, hat recht, wird aber dennoch von der Wirklichkeit der internationalen Bestellerlisten eines Besseren belehrt. Denn Dan Brown hat mit seinem vierten Roman "The Da Vinci Code" seit Wochen ein Abonnement auf Platz eins der "New York Times"-Hardcover-Bestseller, und er besetzt derzeit dort mit zwei anderen Romanen noch vier weitere Listenplätze auf den Hardcover- und Paperback-Listen.

          Dan Brown? Das ist die neue Märchenfigur der amerikanischen Unterhaltungsliteratur, jene Art von messianischem Thriller-Autor, dessen Auftauchen die Branche inständig herbeibetet. Er muß idealiter aus dem vorschußlosen Nichts kommen und darf sich innerhalb weniger Jahre am Tisch der Auflagenmillionäre neben John Grisham setzen. Demgemäß gibt sein Lebenslauf nicht allzuviel her, auf der Homepage bleibt unklar, wann und wo die Lichtgestalt geboren wurde. Der Vater demnach ein preisgekrönter Mathematiker, die Mutter Kirchenmusikerin - ergo wuchs der Knabe klappentextamtlich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion auf, in jenem Gelände also, in dem er später seine Thriller ansiedeln sollte. Nach dem Abschluß in Englisch am Amherst College und an der Phillips Exeter Academy, wo er auch einige Jahre unterrichtete, erschien vor acht Jahren Dan Browns erster Roman "The Digital Fortress" (1996) als E-Book.

          Der Roman, der später als Taschenbuch bei der St. Martin's Press herauskam und kein großer Verkaufserfolg war, handelt von einem Geheimcode, der den eigentlich alles entschlüsselnden Geheimdienst NSA bedroht. Roman Nummer zwei, "Angels and Demons" (2000; deutsch "Illuminati", 2003), nimmt einmal mehr die Verschwörungstheorie um den Orden der Illuminaten auf. Ein am Reißbrett entworfener und dortselbst ziemlich hölzern abgearbeiteter Parforce-Ritt durch römische Verliese, bei dem es um nichts weniger geht als die Zerstörung des Vatikans durch eine Anti-Materie-Waffe. Nummer drei, "Deception Point" (2001; deutsch "Meteor", 2003) verhandelt amerikanische Geheimdienst-Mauscheleien: Die Nasa hat einen Meteor im ewigen Eis entdeckt, der nicht ganz koscher ist.

          In seinem vierten und bislang erfolgreichsten Buch "The Da Vinci Code" (2003) kehrt Brown zu seinem "Illuminati"-Helden, dem Kunsthistoriker Robert Langdon, zurück; auch diesmal geht es um eine geheime Bruderschaft und die Frage, wer auf Leonardo da Vincis "Letztem Abendmahl" tatsächlich neben Jesus sitzt. Das Buch erscheint am 24. Februar unter dem Titel "Sakrileg" im Lübbe Verlag, der bislang von "Illuminati" und Meteor zusammen neunhunderttausend Exemplare verkauft hat und über seinen Umsatzbringer hellauf begeistert ist. Die Rechte für "Deception Point" sind eingekauft.

          Die Erklärung für den phänomenalen Erfolg Browns dürfte nicht nur in seiner Qualität als Autor liegen - die am Genre gemessen von eher durchschnittlichem Rang ist -; die Erklärung liegt zweifellos daran, daß Brown fiktionalisierte Lebensberatung für das elektronische Zeitalter anbietet. Das Schlüsselerlebnis, das seine Karriere als Romancier auslöste, begab sich zu Browns Zeit als Lehrer: Agenten des Secret Service nahmen auf dem Campus einen Schüler in die Mangel, weil der in einer E-Mail an einen Freund geschrieben hatte, er hasse Präsident Clinton und wünsche sich, dieser würde ermordet werden. Das brachte den empörten Brown der Legende nach auf die Spur der NSA, die - wir sind im Jahr 1996 - damals nur drei Prozent der Amerikaner überhaupt ein Begriff war. Und so widmet sich der Hobby-Kryptologe Brown auf seiner Homepage www.danbrown.com denn auch in aller Ausführlichkeit Fragen des Datenschutzes, der Verschwörungstheorie und des Wirkens der amerikanischen Geheimdienste. Auch wenn Brown literarisch weit entfernt ist von der Qualität eines Neal Stephenson ("Cryptonomicon"), so trifft er doch in seiner Entschlossenheit, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu geben, einen Ton, der für eine Weltkarriere maßgeschneidert ist: Übersetzungsrechte sind dem Vernehmen in vierzig Länder verkauft, die Filmrechte für "The Da Vinci Code" hat Columbia Pictures erworben.

          HANNES HINTERMEIER

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