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: Schreckens Männer

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Die zynische Faszination für Intriganten, Fundamentalisten, Selbstmordattentäter ist keine Entdeckung unserer Zeit. Besonders gut verstand sich Mitte des achtzehnten Jahrhunderts Lessings Freund Joachim Wilhelm von Brawe auf das Rollenfach verstockter Bösewichter - bis er 1758 mit kaum zwanzig Jahren starb.

          Die zynische Faszination für Intriganten, Fundamentalisten, Selbstmordattentäter ist keine Entdeckung unserer Zeit. Besonders gut verstand sich Mitte des achtzehnten Jahrhunderts Lessings Freund Joachim Wilhelm von Brawe auf das Rollenfach verstockter Bösewichter - bis er 1758 mit kaum zwanzig Jahren starb. Seine einzigen beiden Trauerspiele wären völlig vergessen, hätte ein kundiger Germanist sie nicht in einer Tragödieneinführung behandelt und als Geheimvorlagen Schillers empfohlen. Erst jetzt, nach etlichen Magisterarbeiten, gibt es endlich auch die Texte. Auf den "Freygeist" (1758), einen wüsten Vergeltungsexzess, folgt nun "Brutus" (1768): Darin hetzt ein teuflischer Intrigant aus Rache gegen Rom den totgeglaubten Sohn des Cäsar-Mörders Brutus gegen dessen Vater auf. Doch dieser ahnt die Gefahr schon im Traum und stürzt sich in der Schlacht lieber selbst in sein Schwert, um seinem Sohn die Tat zu ersparen. Interessanter als der bewunderte Held ist der Rächer, der im Nachwort mit Enzensbergers Formel der "Schreckens Männer" (2006) als "radikaler Verlierer" porträtiert wird. Als terroristischer "Schläfer" hat er sich über Jahrzehnte in die römische Gesellschaft eingeschlichen, um sie dann maximal zu schädigen. Gegen Lessings Mitleidspoetik gewinnt so eine Ästhetik der Rache an Profil. (Joachim Wilhelm von Brawe: "Brutus". Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Mit einem Vorwort von Steffen Martus und einem Nachwort von Frank Fischer. Verlag Ille & Riemer, Leipzig 2007. 110 S., br. 14,80,- [Euro].) kos

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