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: Schmieriges schwarzes Zeug

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Was passiert, wenn uns der Ölhahn zugedreht wird? Andreas Eschbach, Deutschlands erfolgreichster Science-Fiction-Autor, schildert in "Ausgebrannt" den Kampf ums schwarze Gold und entwirft das Zukunftsszenario einer Welt ohne Autos und Industrie.Von Hubert Spiegel Ein guter Science-Fiction-Roman, ...

          Was passiert, wenn uns der Ölhahn zugedreht wird? Andreas Eschbach, Deutschlands erfolgreichster Science-Fiction-Autor, schildert in "Ausgebrannt" den Kampf ums schwarze Gold und entwirft das Zukunftsszenario einer Welt ohne Autos und Industrie.

          Von Hubert Spiegel Ein guter Science-Fiction-Roman, so hat Andreas Eschbach einmal in einem Essay behauptet, frage stets: "Was ist der Mensch?" Keine andere Literaturgattung würde diese Frage so klar, so radikal und so unabhängig stellen wie der spekulative Zukunftsroman. Für den Literaturwissenschaftler Peter von Matt ist der Mensch das geschichtenerzählende Tier. Die Definition, die Andreas Eschbachs neunter Roman bereithält, lautet hingegen: Der Mensch ist das energieverbrauchende Tier. Und Energie, das heißt nach wie vor und vor allem: Erdöl.

          "Ausgebrannt" erzählt auf 749 Seiten die Geschichte eines Tellerwäschers namens Markus Westermann, der unbedingt Millionär werden will und zufällig in die Erdölbranche gerät. Das ist etwa so spannend und originell wie der Plot eines durchschnittlichen Hollywood-Thrillers: Westermann ist ein junger Deutscher, der fest an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten glaubt, zunächst kometenhaft aufsteigt, seinen Ehrgeiz dann beinahe mit dem Leben bezahlt und am Ende ein bescheidenes Dasein mit einer Frau führt, die sich thrillergemäß zunächst als sexuell unersättliche Milliardärstochter erwiesen hatte. Ihr Väterchen ist ebenso wie die CIA hinter dem her, was Westermann zum Milliardär machen soll: die einzigartige Methode seines skurrilen Geschäftspartners Karl Block, unbekannte Erdölreserven aufzuspüren. Es geht also ums große Geld und die große Politik, und deshalb ist keiner der Beteiligten seines Lebens mehr sicher. Derartige Rahmenhandlungen dienen im Unterhaltungsgenre in der Regel nur als Vehikel für die special effects. Eschbachs special effects allerdings sind mehr als ungewöhnlich: Da wären das "Oil & Gas Journal", die "BP Statistical Review of World Energy", der Wortlaut des deutschen Energiebevorratungsgesetzes und die Studien des "United States Geological Survey". Was aber soll daran unterhaltend oder spannend sein?

          Eschbach erzeugt die Spannung auf zwei Ebenen. Er verlängert das Szenario vom Ende der Ressourcen, das der "Club of Rome" Anfang der siebziger Jahre skizziert hat, um ein paar Jahre in die Zukunft und beschreibt, was passiert, wenn das Öl nicht mehr sprudelt, sondern nur noch tröpfchenweise aus der Pipeline kommt: Wir können nicht mehr Auto fahren und unsere Häuser nicht mehr beheizen, unsere Fabriken stehen ebenso still wie die industrielle Landwirtschaft. Die westliche Zivilisation kollabiert, denn für fast alles, was wir produzieren, brauchen wir Erdöl, entweder als Rohstoff oder als Energieträger. Zukunftsmusik, einigermaßen plausibel erzählt. Aber Andreas Eschbach hält es mit seinem amerikanischen Kollegen Bruce Sterling, der gesagt hat, wer als visionär gelten wolle, müsse nur die Gegenwart beschreiben.

          Und so beschreibt der studierte Luft- und Raumfahrttechniker und frühere Teilhaber einer Softwarefirma das gigantische Geschäft mit Erdöl ebenso wie die politischen Implikationen des schmierigen schwarzen Zeugs, das die Weltwirtschaft so nötig braucht wie der menschliche Körper das Blut. Hält sich die Faszination, die von der Beschreibung von Bohrköpfen und Futterrohren ausgeht, noch in Grenzen, so wird es doch unglaublich spannend, wenn Eschbach über Ölreserven, den Lagerstättendruck von Förderfeldern oder die Geheimdiplomatie der Opec schreibt.

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