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: Schachmatt

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Ganz ans Ende seines Romans hat der italienische Autor Fabio Stassi eine Art Gebrauchsanweisung angefügt, die eine interessante Auskunft enthält. Stassi schreibt, für ihn hätten Romane "mehr mit der Geometrie und der Mathematik des Schachs zu tun als mit jener undefinierbaren und ungreifbaren Sache, die wir Literatur nennen".

          Ganz ans Ende seines Romans hat der italienische Autor Fabio Stassi eine Art Gebrauchsanweisung angefügt, die eine interessante Auskunft enthält. Stassi schreibt, für ihn hätten Romane "mehr mit der Geometrie und der Mathematik des Schachs zu tun als mit jener undefinierbaren und ungreifbaren Sache, die wir Literatur nennen". Deshalb hat er "Die letzte Partie" über den kubanischen Schachmeister José Capablanca in vierundsechzig Kapitel aufgeteilt, so viele, wie ein Schachbrett Felder hat. Darin erfahren wir, wie José Capablanca aufsteigt, wie er spielt, wie er liebt und wie er leidet. Wir lernen seinen ärgsten Widersacher kennen und erleben, wie Capablanca einen einzigen, aber entscheidenden Wettkampf verliert. Der Kubaner muss den Titel des Weltmeisters abgeben und wartet jahrelang auf die Gelegenheit zur Revanche. Dieser Wahn, der langsam von Capablanca Besitz ergreift, ließe sich in einem einfachen Spannungsbogen wunderbar erzählen. Wenn nicht, und darin liegt eine gewisse Ironie, die Aufteilung in vierundsechzig Kapitel wäre. Jedem einzelnen der kurzen Texte spürt man den Willen zur Bedeutsamkeit an; das Buch wird langsam und schwer. Nur selten ist es so originell und klug, wie es sein möchte. (Fabio Stassi: "Die letzte Partie". Roman. Aus dem Italienischen von Monika Köpfer. Kein und Aber Verlag 2009. 236 S., geb., 19,90 [Euro].) lbo.

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