https://www.faz.net/-gr3-13hz6

Robinson Jeffers: Die Zeit, die da kommt : Granit statt Illusion

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Die Natur ist, so lehrt es uns der amerikanische Lyriker Robinson Jeffers, nichts anderes als eine Tragödin. Letztlich kann auch seine Poesie nicht vor dem Tod retten, sehr wohl aber dazu verhelfen, die Verwandlung als ein Synonym für Leben zu verstehen.

          4 Min.

          Die Natur ist, so lehrt es uns der amerikanische Lyriker Robinson Jeffers, nichts anderes als eine Tragödin. „Die Küste ruft“, heißt es in einer seiner großen Verserzählungen „Apologie für böse Träume“, „nach dem tragischen Geschehen wie alle schönen Stätten“. Robinson Jeffers kam 1887 in Pittsburgh, Pennsylvania, zur Welt und starb 1962 im kalifornischen Carmel. Obwohl er seit 1925 mit mehreren Dramen und mehr als einundzwanzig Gedichtbänden hervorgetreten ist, die in Amerika teilweise enorme Verkaufszahlen erreichten, ist er über lange Zeit hinweg selbst dort nicht wirklich bekannt geworden. Das liegt vor allem an seiner exzessiven poetischen, aber auch in seiner Biographie verankerten Radikalität, ebenso an der Kritik seinem Land gegenüber. Letzteres haben ihm nicht nur Politiker, sondern auch Kollegen verübelt. „Es ist besser auf Granit gebettet zu sein / als auf Illusionen“, heißt es einmal bei ihm, und dieser Satz könnte als Motto für sein Leben und Werk gelten.

          Die Essayistin, Übersetzerin und Publizistin Eva Hesse hat den vorliegenden Band mit Jeffers’ Gedichten zusammengestellt, übersetzt und mit einem sehr hilfreichen, bemerkenswerten Essay versehen. Dass Jeffers als einziger großer amerikanischer Dichter des zwanzigsten Jahrhundert lange Zeit hierzulande unübersetzt und unbekannt blieb, lag gewiss an jenem Brief, den Gottfried Benn einem deutschen Verleger schrieb. Darin heißt es: „Lieber Herr N., ich habe diese Jeffers-Sache angesehen. Mein erster Eindruck ist kein positiver. Zu moralisierend, zu politisch-pazifistisch, zu pastoral ... es steht ein langweiliger Mensch hinter dem Ganzen.“

          Dichtung als Medium der Entdeckung

          Heute kann man über Benns Überheblichkeit nur staunen und sich wundern, dass er sich, gänzlich abgespalten von seinem eigenen Unbewussten, zu so einem Verdikt hatte verleiten lassen. Sein Verdammungsurteil ist nur vor dem Hintergrund seiner persönlichen Verwicklungen zu verstehen; dass ihm die pazifistische Idee in Jeffers’ Werk nicht sympathisch war, hätte aber wenigstens im Nachkriegsdeutschland aufhorchen lassen müssen, da Benn bekanntlich in den Jahren 1933 und 1934 Partei für die Nationalsozialisten ergriffen hatte. Ein Zufall ist es sicher nicht, dass dies zu jener Zeit nicht verstanden wurde. Und Jeffers, der in seiner Dichtung ein unbestechlicher, kritischer Zeitzeuge war, wäre gerade damals sogar so etwas wie ein Vorzeigedemokrat gewesen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, verfolgt die Rede Boris Palmers beim digitalen Landesparteitag der Grünen.

          Ausschlussverfahren der Grünen : Belastet der Fall Palmer Baerbocks Wahlkampf?

          Die Grünen wollen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ausschließen. Der sieht dem Verfahren optimistisch entgegen. „Es ist gut und reinigend, wenn jetzt die ganze Palette an Vorwürfen einmal aufgearbeitet wird“, sagt er der F.A.Z.
          So winkt die Siegerin: Schottlands Regierungschefin Sturgeon am Sonntag vor dem Bute House in Edinburgh

          Schottland : London spielt Sturgeons Wahlsieg herunter

          Nach dem abermaligen Wahlsieg der Schottischen Nationalpartei drängt die Regierungschefin Nicola Sturgeon auf ein zweites Unabhängigkeitsreferendum. London will bislang nichts davon wissen.
          Israelische Sicherheitskräfte während einer Demonstration gegen den geplanten Räumungsprozess im Stadtteil Scheich Jarrah am 8. Mai

          Unruhen in Ostjerusalem : Die Angst vor der Vertreibung

          In Jerusalem gärt es seit Wochen. Die mögliche Enteignung von Palästinensern hat jetzt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren beigetragen. Selbst Washington ermahnt die Netanjahu-Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.