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Richard Stark: Das große Gold : Im Schatten des Verbrechens

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Bild: Verlag

Es ist an der Zeit, die Parker-Romane von Richard Stark alias Donald Westlake endlich auch bei uns zu entdecken. Dieser einsame Jäger und Gejagte besitzt die Überwältigungskraft eines film noir und eines Comics.

          7 Min.

          Ohne Vorankündigung geht es los. Ein Einbruch, eine Verfolgung, eine Hetzjagd, ein Ausbruch. Mit jedem neuen Parker-Roman von Richard Stark sieht der Leser sich umstellt, auf eine verschlagene Fährte gesetzt. Es gibt kein Zurück. Die Jagd hat immer schon begonnen, unabsehbar ist ihr Verlauf, und wenn sie mit der Erlegung der Beute endet, ist der Jäger erschöpft und neuen Gefahren ausgesetzt. Denn die Beute will gesichert, verwahrt und verteilt werden. Kaum vorhanden, weckt die Beute, Trophäe geworden, Begehrlichkeiten. Und der Jäger wird zum Gejagten.

          Die Rede ist von Parker, ein Jäger im ausgewilderten Sinn des Wortes, ein Fährtenleser, Treiber und Wilddieb, ein unerkannter Gesetzloser. Habgier ist ein mächtiger Impuls, sie macht die tief vergrabenen, sicher verwahrten Reichtümer beweglich und reißt jene, die sich ihrer bemächtigen, in unabsehbare Verteilungskämpfe. Parker, der Gangster, domestiziert seine unstillbare Habgier mehr als jeder andere, gerade weil er von ihr beherrscht wird. So gelingt es ihm, aus begreiflicher Notwehr, einen seiner gesetzestreuen Verfolger durch Appell an dessen schlummernde Gier umzudrehen und zu einem Komplizen zu machen – ein Manöver, das dieser nicht überleben wird.

          Parker ist ein Mann mit vielen Namen, und wie die Vereinigten Staaten hat auch er keinen Eigennamen. Jeder Schritt ist ein Schritt in Feindesland. Was das Militär euphemistisch die „mobile Geographie“ nennt, um das Wort vom Krieg nicht fortwährend zu bemühen, ist Parkers Terrain. Er ist Kartograph, Explorer und Verfolgter in diesem großen, wüsten Land. Die Spuren, die er auf dem Weg zur Beute verfolgt, muss er lesen und gleichzeitig seine eigenen verwischen. Es ist eigentlich immer die Beute selbst, die ersehnte heiße oder die vorübergehend gesicherte und ständig entgleitende, welche die Kulissen im Wortsinn in Rollen bringt.

          Ein Vorname wäre schon zuviel

          Parker hat zu tun. Und so verwundert es nicht, dass er und sein Autor keine Zeit und keinen Raum für psychologische Hintergrundgemälde haben. Selbst die wenigen privaten Szenen Parkers mit seiner Freundin Claire werden von Richard Stark so geschildert, dass unschicklich wäre, Intimes zu enthüllen.

          Parker/Stark führen uns in abenteuerlichen Lehrgängen durch die abgründige Geographie der Vereinigten Staaten, die physikalische wie die soziale. Meist sind es Landstriche und Städte der Ostküste, die Parker besser kennt als die Polizei. Er besitzt, wie ein deutscher Kritiker 1967 schrieb, „verteufelte Milieu-Kenntnis“.

          In den sechziger Jahren waren die ersten Parker-Romane erschienen, bald darauf tauchte der Gangster zusammen mit seinem Autor unter. Richard Stark, sein Autor, arbeitete damals noch mit drastischen hammetschen Bildern („Eva Milford erinnerte an eine zu stark aufgezogene Uhrfeder“). Aus dieser Zeit ist „The Hunter“ überliefert, Parkers kalte Wut darüber, dass seine Sorge sich in immaterielles Firmenkapital aufgelöst hat. Lee Marvin hat ihm in John Boormans Film „Point Blank“ eine bemerkenswerte Physiognomie gegeben.

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