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Rezension : Das Ich im Kreise seiner Teufel

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Es gibt eine Menge solcher Motive, die zu selbstironischen running gags werden, was das Buch mit fortschreitender Lektüre immer vergnüglicher macht. Dem aus dem Ruder laufenden Schriftstelleralltag gewinnt Glavinic eine Nummernrevue von satirischen Szenen ab, sei es eine Lesung des „größten Starautors der westlichen Welt“ (gemeint ist wohl Jonathan Franzen), ein Mittagessen mit dem bodenständigen österreichischen Fußballidol Herbert Prohaska oder eine quälende Familienfeier im Dorfgasthof in der Steiermark.Das Verfahren, das dem Autor zum Verwechseln ähnliche Ich mit der Fiktion so zu verklappen, dass nicht nur die Erzählung wie ein Bericht aus dem Leben wirkt, sondern auch der reale Autor umgekehrt wie eine Kunstfigur, hat Glavinic natürlich nicht erfunden, sondern Pop-Autoren wie Lottmann, Goetz oder Stuckrad-Barre abgelesen. Auch Lottmanns stil- und genrebildendes Buch „Mai, Juni, Juli“ erzählt ja von den Nöten eines Autors (allerdings während und nicht nach der literarischen Arbeit). Ego-Morphing, so könnte man diese Verzerrungsstrategien auch nennen, in der der Schriftsteller sich selbst als Stadtneurotiker und lächerliche, infantile Figur präsentiert, die schon am Reifenwechsel scheitert. Doch verbergen sich unter dieser pseudodokumentarischen Oberfläche gehaltvollere Erzählschichten.Die neue Arbeit der Nacht.

Denn das Buch im Buch, um das es hier geht und dessen Inhalt nur ganz dürftig und wie nebenbei referiert wird, Glavinics unheimlicher und spannender realer Vorgängerroman „Die Arbeit der Nacht“ nämlich, erzählt von einem Mann namens Jonas, der eines Morgens in seiner Wiener Wohnung aufwacht und sich allein auf der Welt wiederfindet. Alle anderen Menschen sind verschwunden; er versucht, sich Klarheit über seine Lage zu verschaffen, durchrast erst die Stadt, dann das Land und schließlich den Kontinent auf der Suche nach Hinweisen und Lebenszeichen. Dann aber geschehen Dinge, die er sich nur durch die Anwesenheit anderer Menschen erklären kann. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass er selbst, im Schlaf, verrückte, sogar selbstzerstörerische Dinge tut, von denen er später nichts mehr weiß - die „Arbeit der Nacht“ eben.Auch „Das bin doch ich“ stellt die Frage nach der Identität, und zwar doppelt - auf der poetologischen Ebene als Verrätselung des Autorsubjekts, aber auch in der Persönlichkeitspaltung der Figur: Ganz wie Jonas arbeitet sein Autor Glavinic gegen sich selbst.

Wie der mysteriöse „Schläfer“ hinter dem Rücken des wachen, rationalen Bewusstseins die leere Autobahn wieder in die Gegenrichtung zurückfährt, so hat der ehrgeizige Schriftsteller Angst, er könnte nachts im Suff irgendwelchen Kritikern Hassmails schreiben und damit seine Chance auf den Bucherfolg selbst torpedieren. Die „Arbeit der Nacht“ ist hier zur zeitvernichtenden Session mit dem Strategiespiel „Civilisation“ geworden: Ich ist ein Anderer.So hat „Das bin doch ich“ hinter seiner komischen Fassade eine ernste, existentielle Substanz. Der Roman lässt sich auch lesen als kleines, durchaus boshaftes Satyrspiel zum Einsamkeitsdrama des Vorgängers; zahlreiche Parallelen oder auch Kontraste im Detail - der Alkoholmissbrauch, die Ernährungsgewohnheiten, die fast obszön-machohafte Technikfaszination von Jonas und die entsprechende Unbeholfenheit Glavinics in allen praktischen Dingen - verknüpfen die beiden Bücher. Am Ende ist „Das bin doch ich“ sogar ebenfalls eine, wenn auch gut versteckte Liebeserklärung - an die Frau, die diesen Albtraum teilen muss. Wenn der Mensch mit seinen Dämonen allein wäre, wäre das Leben eine Hölle.-

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