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Rezension: Belletristik : Zaungäste der mondänen Welt

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Sie sind die kleinen Brüder der coffeetable books, jene oft lieblosen Sonderausgaben, zu der Rowohlts Neuauflage von Erika und Klaus Manns "Buch von der Riviera" gehört. Während die Originalausgabe von 1931 zwei kleine Figuren, Palmen und tiefblaue Bucht auf für Kästner-Zeichner Walter Trier typischem ...

          Sie sind die kleinen Brüder der coffeetable books, jene oft lieblosen Sonderausgaben, zu der Rowohlts Neuauflage von Erika und Klaus Manns "Buch von der Riviera" gehört. Während die Originalausgabe von 1931 zwei kleine Figuren, Palmen und tiefblaue Bucht auf für Kästner-Zeichner Walter Trier typischem Gelb zeigt, ist das Badezimmerfliesen-Türkis des neuen Covers eigentlich Grund genug, dieses Buch weder für die eigene Bibliothek noch als Geschenk zu erwerben. Wer sich nicht abschrecken läßt und es aufschlägt, wird feststellen, daß Schriftbild und Illustrationen genau die jenes Bändchens sind, das damals in der Reisebibliothek "Was nicht im Baedeker steht" beim Münchner Piper-Verlag erschienen ist.

          Das hat einen gewissen Charme. Die Aura des echten alten Exemplars fehlt einer Neuausgabe jedoch naturgemäß, und die vorliegende nutzt auch keine Chance, mit eigenen Pfunden zu wuchern. Wenn Erika und Klaus von Malern, Schauspielern und Gesellschaftsdamen plaudern, würde man sich gern ein Bild vom Strand- und Nachtleben einiger dieser Berühmten oder bereits Vergessenen machen. Eine frühere Neuausgabe des Buches stillte die Neugier der Nachgeborenen mit Fotos. Unverzichtbar aber wäre für diese Ausgabe ein Nachwort gewesen, denn so fehlt jede Einordnung des Riviera-Intermezzos in die Biographien der Mann-Geschwister.

          Die gerne "alternativ" genannte Reihe "Was nicht im Baedeker steht" ist kein Vorläufer von "Lonely Planet", und die Manns sind keine frühen Rucksacktouristen: Ein gewisses Maß an bürgerlichem Komfort auf Reisen ist unausgeprochener Konsens zwischen Schreibern und zeitgenössischen Lesern. Sosehr Klaus in seinen Jugendwerken mit dem Avantgarde-Status seiner Altersgenossen als "sonderbare Kinder" einer sonderbaren Zeit kokettierte - dieser kleine Auftragstext ist eindeutig generationskompatibel. Die Zielgruppe ist liberal, hat nicht allzuviel Geld für Hotels und bringt ein gewisses Vorwissen im Hinblick auf Künstlerkreise und große Welt mit. Doch auch Erika und Klaus sind an den glamouröseren Orten der Küste ihrem eigenen schmalen Budget entsprechend höchstens Zaungäste. Die Ironie dieser Situation illustriert am schönsten eine Passage, die die Leser in den Strudel eines wilden Shopping-Galopps über die Croisette reißt, die Luxusmeile von Cannes: "Edelsteine, meine Damen! Ganze Teeservices aus Edelsteinen. Schokolade, meine Kinder! Die der Marquise de Sévigné schmeckt wie Himmelsbrot. Stoffe, meine Herren! Mr. Wordly unter den Arkaden zeigt Ihnen unverwüstliche und schneidet Sie Ihnen zu, daß Sie aussehn wie der Prince of Wales darin!" Mit diesen Artikeln der "Wunderfirmen der Eleganz, der Pracht und des Wohlgeruchs" beschenkt man sich gegenseitig, jedoch nur in der Phantasie.

          Anders als "Rundherum", die locker zusammengetragene Schilderung ihrer Weltreise, zwängt dieses Buch Erika und Klaus in das Korsett des Reiseführerduktus. Das Verspielt-Skurrile des eigenen Stils tritt etwas zurück hinter einer Auflistung von Aussichtspunkten, Hotelpreisen, Genrebildern der Kasinos und Häfen, Promi-Klatsch und mildem Spott über die Geschäftstüchtigkeit der Einheimischen. Kritische Töne zu Kriegsfilmen und den marschierenden "Schwarzhemden" im italienischen Teil der Küste deuten an, daß die unpolitische Lebensweise der Geschwister bald politischem Engagement weichen wird. Und auch die legendäre Epoche der Riviera verlegten schon die Autoren in "Urgroßvatis Zeiten" und seufzten: "Die Luft von Alltagsferne und phantastischen Ferien ist weg."

          ANNETTE ZERPNER

          Erika und Klaus Mann: "Das Buch von der Riviera". Fotomechanischer Nachdruck der Erstausgabe von 1931. Mit Originalzeichnungen von Walther Becker, Rudolf Großmann, Henri Matisse und Martin Piper. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2002. 191 S., geb., 10,- [Euro].

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