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Rezension: Belletristik : Was uns von unserem Fleisch unterscheidet

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Unweigerlich komplettiert sich das Universum der Patricia Cornwell. Erst im vergangenen Frühjahr erschien der Roman "Brandherd", im letzten Herbst "Blinder Passagier" und in diesem Frühjahr mit "Kreuz des Südens" bereits die elfte deutsche Übersetzung von zwölf Kriminalromanen, in denen die Figur der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta ihrem Handwerk nachgeht.

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          Unweigerlich komplettiert sich das Universum der Patricia Cornwell. Erst im vergangenen Frühjahr erschien der Roman "Brandherd", im letzten Herbst "Blinder Passagier" und in diesem Frühjahr mit "Kreuz des Südens" bereits die elfte deutsche Übersetzung von zwölf Kriminalromanen, in denen die Figur der Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta ihrem Handwerk nachgeht. Nun hat es in der Kriminalliteratur eine ganz besondere Bewandtnis mit dem Prinzip der Serie, das in anderen literarischen Disziplinen als etwas unfein gilt, weil es stets an Karl May erinnert und andere handwerklich beliebig verfertigbare Paradiese. Dagegen gleichen die Weltenpläne des Kriminalromans jedoch meist Versuchsanordnungen, Reihenuntersuchungen eines notorisch eher teuflischen denn göttlichen Plans. Und eben das macht die Fall-Genealogien eines Sherlock Holmes oder Sam Spade so interessant.

          Als Mitschrift ihrer Zeit treffen sie nicht erst seit jenen beiden Säulenheiligen der Gattung oftmals hellsichtig das Aroma der jeweiligen Gegenwart, und nicht nur der Kriminalist Dürrenmatt debattierte in Form von Geschichten mit seiner Zeit. Es erweist sich das Verbrechen immer wieder als die Folie, auf der die Ängste einer Gesellschaft sich besonders deutlich abbilden. Auch die Welt der Patricia Cornwell ist schon von der Anlage her nicht eigentlich licht, und folgt man ihrer Heldin durch die Geschichten, bemerkt man, wie sich der Himmel immer noch weiter zuzieht.

          Doch erst seit dem 11. September gewinnt die düstere Perspektive dieser Autorin, die als erfolgreichste ihres Genres gilt, seine beklemmende Aktualität und visionäre Kraft. Denn bei dem, was Patricia Cornwell in ihren Büchern debattiert, Roman für Roman ihre Argumente weiter zuspitzend, handelt es sich im Kern um die Frage, wie die westlichen Gesellschaften mit dem Problem einer gesichtslosen, psychopathischen Gewalt umgehen sollen, die sich nicht nur allem Verständnis und aller Ansprache entzieht, sondern durch ihre Unfaßbarkeit auch jeden sozialen Raum vergiftet.

          Eröffnet hat die Autorin dieses Selbstgespräch mit "Ein Fall für Kay Scarpetta", erschienen in den Vereinigten Staaten 1990. Kay Scarpetta, Juristin und Gerichtsmedizinerin, wird in Richmond zum Chief Medical Examiner des Staates Virginia berufen. Im Gegensatz zum amtlichen Leichenbeschauer hierzulande kommen dem Medical Examiner weitreichende Kompetenzen zu. Seine Aufgabe ist es, bei allen Todesfällen, die den Verdacht auf ein Verbrechen nahelegen, die Todesursache zu ermitteln und dazu selbständig Untersuchungen durchzuführen. Zwangsläufig tritt die intellektuelle, gewissenhafte Kay dabei in Konkurrenz zur Polizei, und aus diesem Konflikt ziehen die Romane Patricia Cornwells einen wesentlichen Teil ihrer Spannung.

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