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Rezension: Belletristik : Tronkenburg ist nicht ungefährlich

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Aus dem Innenleben der Staatskanzlei: Notizen zu "Finks Krieg" und seiner Vorgeschichte

          5 Min.

          Die Staatskanzlei. Viele sind ehrfürchtig, wenn sie die Fahnen und die zahlreichen Sicherheitsbeamten vor der Tür sehen. Die Verschwiegenheitspflicht sichert uns gut ab, niemand erzählt zuviel an Außenstehende, so bleibt unser Alltag Staatsgeheimnis. Was hätte Ernst Jünger hier geschrieben, seine Pariser Tagebücher lese ich gerne, ich bewundere den kalten Blick in die Fratze perverser Macht. Ihm hätten wohl die Metaphern gefehlt, um den bürokratischen Stumpfsinn zu erfassen. Wahrscheinlich hätte er es zu langweilig gefunden und nur noch über Käfer geschrieben. Da ist Luhmann weiter. Es ist beruhigend, daß das politische System von der Spitze der Gesellschaft weggewandert ist und ein peripheres Dasein fristet. So können wir selbstreferentiell die Steuergelder verbraten und die Medien füttern, die noch nicht gemerkt haben, daß die Musik woanders spielt. Wir haben mit uns selbst zu tun, die Vermeidung des internen Chaos ist schon schwierig genug, da können die Bürger nicht erwarten, daß sie auch was davon haben.

          Herbst 1985. Fink tobte. Er saß vor mir, seine braunen Augen funkelten. Der Ministerpräsident folgte ihm nicht, er wollte den Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden nicht so unterschreiben, wie Fink es wollte. Der Justitiar, seit Gründung des Landes im Dienst und von allen MPs geschätzt, hatte abgeraten. Bis morgen früh sollte Fink seine Argumente widerlegen, sonst war der Staatsvertrag futsch. Fink ist die Kirchenpolitik. Er hat noch jeden manipuliert, der unter ihm auf diesem Gebiet etwas bewegen wollte. Fink droht mit dem Krummstab, und die Politik beugt sich in Demut. Die Sozis wußten nie so recht, wie man mit den Kirchenleuten umgeht; ihre Unsicherheiten nutzte er aus. Fink tanzt allen auf der Nase herum.

          Juli 1987. Die Schwarzen überraschen uns. Wir hatten Technokraten mit Aktenköfferchen voller Dossiers und Plänen für den Organisationsumbau erwartet. Man rechnete mit erhöhter Rationalität, mit Effizienzkonzepten aus der Wirtschaft. Nichts von alledem, die Macht hatte die Schwarzen kalt erwischt, sie waren nicht vorbereitet. Tronkenburg war ein mäßiger Drähtezieher, aber von Verwaltung hatte er keine Ahnung. Der Büroleiter aus der Sozizeit blieb, im Pflasterstrand als Doppelagent stigmatisiert, um die Genossen zu warnen. Er mußte den Laden am Laufen halten und schikanierte mit kaltem Genuß die alten Kollegen. Die Schwarzen entwickelten eine Art Bohemekultur, was mit den Frankfurter networks des neuen Chefs zusammenhing. Die Fahrer berichteten sogar, daß von einem neuen Mitarbeiter der politischen Etage ein Ölgemälde im Museum hinge, das ihn in ganzer Schönheit zeigte.

          Tronkenburg ist nicht ungefährlich. Er pflegt Umgang mit der Presse und den Feuilleton-Intellektuellen. Dadurch hat er eine Maske, die ihn an Infos aus der linken und grünen Szene kommen läßt - für konspirative Aktionen nicht ohne Risiko, denn die Frankfurter Szene ist eitel, schwatzhaft und naiv. Besonders Dany ist immer darauf aus, seine Kommunikationsfähigkeit mit CDUlern zu demonstrieren, und da war Tronkenburg ein gefundenes Fressen. Tronkenburg lebt von der Monopolisierung des Zugangs zum MP, jeder, der ihm da Konkurrenz macht, ist geliefert. Das alte Problem der Höflinge, der Zugang zum Machthaber, der Erhalt der Gnade.

          Aber die Schwarzen wollen Moosbrugger unterbringen, er hat eine alte Zusage des Ministerpräsidenten. Tronkenburg will das nicht, Moosbrugger ist ihm zu sehr Parteisoldat, der riecht zu sehr nach politischem Gerangel für seine feine Nase. Vor allem duzt er den MP und ist ein Konkurrenzfaktor. Er muß mit allen Mitteln verhindert werden. "Wohin mit Moosbrugger?" wird zum Dauerthema, selbst Brüssel kommt ins Gespräch.

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