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Rezension: Belletristik : Trockenübung

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Michael Lentz hat über Lautpoesie promoviert, eine gewaltige Bestandsaufnahme der Lautpoesie nach 1945 vorgelegt, und er interpretiert und schreibt Lautgedichte. Für seine Studien ist der Sieger des letzten Klagenfurter Wettlesens nach Paris gefahren, um Isidore Isou, den Programmatiker des 1946 begründeten ...

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          Michael Lentz hat über Lautpoesie promoviert, eine gewaltige Bestandsaufnahme der Lautpoesie nach 1945 vorgelegt, und er interpretiert und schreibt Lautgedichte. Für seine Studien ist der Sieger des letzten Klagenfurter Wettlesens nach Paris gefahren, um Isidore Isou, den Programmatiker des 1946 begründeten französischen Lettrismus, zu besuchen, einen Trockenmeister erster Güte, "der an seinem schreibtisch sitzt und aus dem fenster hinaus in den lichthof blickt". Auch war Lentz auf dem Friedhof von Montmartre, um einigen anderen verblichenen Größen der experimentellen Literatur "mal guten tach zu sagen".

          Davon erzählt er in kongenialer Trockenheit, aber ganz locker. Er vergißt daher auch nicht, den Leser darüber zu informieren, wie oft er in Paris auf die Toilette mußte. Man erfährt in dem Text, daß eine sich selbst schreibende "avantgarde der avantgarde" ziemlich lange her ist und eigentlich auch ziemlich tot, aber ein paar Weisheiten fallen noch vom vertrockneten Baum: "mit dem sterben fängt das leben ja an. Und mit dem montparnasse hört es eben auf. kleider machen leute, sagte schon karl may..."

          Das Ganze ist so sterbenslangweilig wie die bekannte Geschichte vom Sack Reis, der in Peking immer wieder einmal umfällt, und das soll sie auch sein. Damit der Leser auch wirklich glaubt, daß der Lettrismus mausetot ist, hat Lentz noch einige Fotografien von Gräbern beigefügt und von Isou, wie er einen "mit seinen basedowaugen unverwandt" anschaut. (Michael Lentz: "Es war einmal...". edition selene, Wien 2001. 36 S., br., lim. Aufl. 500 St., num. u. sign., 19,01 .)

          FRIEDMAR APEL

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