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Rezension: Belletristik : Silberschweine greifen an

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Anfallende Probleme mit gesellschaftlicher Etikette werden auf diesen Reisen modern gelöst. "Marcus und ich schlafen gewöhnlich in einem Zimmer, obwohl wir nicht verheiratet sind. Hoffentlich habe ich Sie jetzt nicht schockiert? Es ist nicht seine Schuld, ganz bestimmt nicht. Aber ich war stets der Ansicht, daß eine Frau sich ihre Unabhängigkeit bewahren soll, solange keine Kinder da sind . . ." Feminismus in antiker Praxis?

Lindsey Davis hat keine Geschichtsromane geschrieben, aber auch keine gutgemeinten Frauenkrimis. Ihr Falco spricht wie die harten Helden von Chandler oder Hammett, aber das ist coole Angeberei, denn er steckt mehr Prügel ein, als er gibt, hat ein weiches Herz und schreibt in stillen Stunden Gedichte wie Adam Dalgleish, der grandseigneurale Meisterdetektiv von P. D. James. Zwar "stimmt" alles Geschichtliche in diesen Büchern und ist aufs sorgfältigste recherchiert, aber es wird sogleich durch moderne Mentalität ironisch gebrochen, bei der man sich lediglich fragen muß, ob sie überhaupt modern ist und nicht eher zeitlos.

Ganz unprätentiös ist hier gute Literatur entstanden, deren Gestalten nicht mit der Lösung von Rätseln oder Fällen wieder verschwinden, sondern zu jeder Zeit abrufbar bleiben, weil wir sie in uns und um uns wiedererkennen. Reich ist das Personal dieser Geschichten an Typen, die wir in anderen Kostümen alle schon erlebt haben: machtlüsterne Politiker, gerissene Geschäftsleute, gewissenlose Bauspekulanten, intrigante Beamte, ehrliche Polizisten und dazu Sklaven, Soldaten, Gladiatoren, Kellner, Bardamen, Klempner, Bergleute, Bauern und Schlangenbändigerinnen sowie Rennpferde, Ochsen, Wanzen, Läuse und Flöhe, denn hygienisch ging es in dieser Antike wahrhaftig nicht zu, wohl aber lebhaft und lustig.

Über das Land der Briten ist aus dem Mund einer englischen Schriftstellerin auch warnende Information zu vernehmen: "Falls Sie je mit dem Gedanken spielen, hinzufahren - ich kann Ihnen nur abraten. Wenn Sie aber aus irgendwelchen Gründen nicht drum herumkommen, dann finden Sie die Provinz Britannien jenseits der Zivilisation, im Reich der Nordwinde." Gutes Klima jedoch, wie es scheint, für Kriminalromane. Und ein Lob auch für die Übersetzer, die gut lesbare Bücher vorgelegt haben.

Lindsey Davis: "Silberschweine". Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Reinhard Kaiser. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1991. 398 S., geb., 38,- DM.

Lindsey Davis: "Bronzeschatten". Ein Falco-Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Christa E. Seibicke. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1992. 582 S., geb., 42,- DM.

Lindsey Davis: "Kupfervenus". Ein Falco-Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Christa E. Seibicke. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1993. 428 S., geb., 39,80 DM.

Lindsey Davis: "Poseidons Gold". Ein Falco-Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Christa E. Seibicke. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1995. 520 S., geb., 42,- DM.

Lindsey Davis: "Eisenhand". Falco in Germanien. Aus dem Englischen übersetzt von Christa E. Seibicke. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1994. 494 S., geb., 39,80 DM.

Amanda Cross: "Spionin in eigener Sache". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Herborth. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1995. 244 S., geb., 36,- DM.

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