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Rezension: Belletristik : O Wunder

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          2 Min.

          Ulf Stark, hierzulande nicht zuletzt wegen "Kannst du pfeifen, Johanna" bekannt, für das er 1994 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, ist eine auf subtile Weise handfeste Sommergeschichte gelungen. Überall angenehme Wärme, Licht und frische Luft. Aber man sieht auch, daß die Schatten dazugehören, wenn die Sonne scheint.

          Zwei rundliche Jungen, Ulf und Percy, sind wirklich miteinander befreundet. Ulf ist ein bißchen rundlicher, aber Experten im Kuchenessen sind beide. Ihre Eltern, nun ja, sie werden aus einiger Distanz betrachtet: Ulfs Vater arbeitet als Zahnarzt und in seiner Freizeit als Amateurfunker. Als solcher hat er, weltweit, einen Namen wie eine britische Postleitzahl. Percys Vater kennt sich in der Ökonomie aus, aber seine Geschäfte gehen schlecht. Die Mütter haben nicht nur deswegen ihre Sorgen. Aber das spielt sich am Rande ab.

          Die Freundschaft von Ulf und Percy sehen wir dagegen von ganz nahem: zwischen der Schule mit der sehr netten Frau Nilsson, die notfalls schon mal "Scheiße" sagt und es auch der Klasse ausnahmsweise erlaubt, dem ebenfalls rundlichen, aber unfreundlichen Raub- und Boxhandschuh-Ritter Lasse und nicht zuletzt Marianne, die sich rasend gerne hypnotisieren läßt und ein Faible für Schokoschnitten hat. Zwischen Hundeausführen, Luftgewehrschießen und Dividierenlernen unter Hypnose. Zu dumm, daß Ulfs Hypnosekraft so schnell verbraucht ist.

          Die Geschichte hat allerdings nicht nur Atmosphäre, sondern auch einen zielgerichteten Plot. Percy muß nämlich mit seinen Eltern wegziehen, weil die Geschäfte des Vaters so schlecht laufen. Er ist das Umziehen (immer aus demselben Grund) gewohnt, doch dieses Mal reißt es ihn auseinander, weil er sich mit Ulf und seinen Freunden ausnahmsweise wirklich einmal wohl gefühlt hat. Das will er jetzt, um sich den Abschied zu erleichtern, ändern. Es gelingt ihm jedoch nicht. "Scheiße", sagt Frau Nilsson.

          Zum Schluß aber hat er es auch nicht mehr nötig: Als Deus ex machina taucht aus Arabien ein Scheich ex Cadillac auf, ein Amateurfunker auch er. Es lebe die internationale Amateurfunkerei! Der Scheich ist höflich, interessiert und zurückhaltend, und er ißt nur wenig; immerhin gewinnt er im Tischhockeyspiel gegen Ulf. Und so, nach ein paar weiteren Wendungen, macht Percy das Geschäft seines Lebens, und der Umzug wird abgeblasen. Freundschaft versetzt Berge - man muß sich nur etwas einfallen lassen.

          Hell ist die Geschichte, vergnüglich zu lesen, so daß man häufig kichert. Das geht auf niemandes Kosten; und eine leicht süß-bittere Unterströmung bleibt auch immer unaufdringlich spürbar. Das Buch ist ausgezeichnet übersetzt, mit ein paar deftigen Knallern ("behämmerter Fettsack") an der richtigen Stelle. Und der Charme der Illustrationen mit ihrem Anklang an die der frühen Kästner-Bücher entfaltet sich ganz besonders bei Hundeschnauzen und Angorapullis. WILFRIED VON BREDOW Ulf Stark: "Percys Wunder". Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner, Carlsen Verlag, Hamburg 1996. 112 Seiten, geb., 22,- DM. Ab 8J.

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