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Rezension: Belletristik : In den Gärten der Armut

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Wo ist die Mitte der Welt? Für David Almond ist es die kleine helle walisische Küche, an die er und seine Geschwister sich erinnern, wenn sie sich nach Jahren wieder treffen und sich Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen. Es kommt nicht darauf an, ob alles genau so war, oder ob es geträumt und vielleicht auch erfunden ist.

          Wo ist die Mitte der Welt? Für David Almond ist es die kleine helle walisische Küche, an die er und seine Geschwister sich erinnern, wenn sie sich nach Jahren wieder treffen und sich Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen. Es kommt nicht darauf an, ob alles genau so war, oder ob es geträumt und vielleicht auch erfunden ist. Die Mitte der Welt ist dort, wo alles angefangen hat. Es ist der Ort, in der Geborgenheit entstand, Liebe und Vertrautheit.

          In Felling, einem Bergwerksdorf am Ufer des Tyne in der Nähe von New Castle, ist David Almond in beengten Verhältnissen aufgewachsen. Die kränkelnde Mutter versuchte ihre Kinder in ihre tiefe Frömmigkeit einzubeziehen. Der Vater dagegen verstand die Zweifel und Glaubensprobleme des Heranwachsenden: "Such dir deinen eigenen Weg", war sein Rat. Er setzte große Hoffnungen in den Sohn, der als Jahrgangsbester eine weiterführende Schule besuchen konnte. "Du wirst alles haben, was wir nicht hatten. Du wächst in der privilegiertesten aller Zeiten auf."

          Beide Eltern sterben früh. Mit ihrem Tod fällt ein Schatten auf die fünf Kinder und die Sehnsucht wächst, "das Zerbrochene wieder zusammenzusetzen, das Verlorene wiederzufinden", diese innige Gemeinschaft, in der sie sich sicher sein konnten, daß immer einer für den anderen einstehen würde. Almonds achtzehn Geschichten sind der Versuch, seine Kindheit wieder lebendig zu machen, die Toten wieder sprechen zu lassen. Die Überlebenden zeigen sich die Bilder von den bescheidenen Häusern und Gärten, in denen die Nachbarn untereinander Anteil nahmen. Auch die Außenseiter und Benachteiligten, skurrile Figuren manchmal, waren einbezogen in diese von Armut geprägte Schicksalsgemeinschaft. Die erwachsenen Geschwister versetzen sich zurück in die Zeit, als das Leben auf den verlassenen Kohlenhalden und am Fluß ein Abenteuer war, als die Eltern lebten und ihren Kindern einen unerschöpflichen Schatz von Lebensweisheit und Güte schenkten.

          Almonds "Sternensucher" werden verglichen mit Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter". Seine Sprachkraft steht der des Iren nicht nach (und mit seiner Übersetzerin hat er Glück). Die Episoden, die nur lose zusammenhängen, sind bereits in verschiedenen Magazinen und Anthologien erschienen. Sie vorwiegend als Lesestoff für Jugendliche zu empfehlen hieße sie einzuengen. Wer aufgeschlossen ist für den magischen Zauber der frühen Jahre, wird diese walisischen "Sternensucher" lieben.

          MARIA FRISÉ

          David Almond: "Die Sternensucher". Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann. Verlag Otto Maier, Ravensburg 2002. 215 S., geb., 12,95 [Euro]. Ab 14 J.

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