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Rezension: Belletristik : Ich war Tronkenburg

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Ansichten einer Hauptfigur: Zu Martin Walsers Roman "Finks Krieg" und seiner Vorgeschichte / Von Alexander Gauland

          Zu seinem neuen Roman, der in dieser Zeitung vorabgedruckt wird, ließ Martin Walser sich von Vorgängen in der hessischen Staatskanzlei inspirieren. Viele der Romanfiguren haben reale Vorbilder, ohne freilich authentische Porträts der damals Betroffenen zu sein - der Roman schildert alle Figuren aus der ungehemmten Ich-Perspektive des Beamten Fink. Das gilt auch für Tronkenburg. Zunächst scheint der Ministerialrat Fink das Opfer des Staatssekretärs Tronkenburg zu sein, dann aber wird Tronkenburg zum Opfer von Fink. Wir drucken heute die Erinnerungen des Mannes, der in "Finks Krieg" den Namen Tronkenburg trägt. F.A.Z.

          Im Jahre 1987 gewannen CDU und FDP überraschend eine hauchdünne Mehrheit bei den Landtagswahlen, die dem Bruch der rot-grünen Koalition folgten. Erstmals seit Ende 1946, als Ministerpräsident Geiler ausgeschieden war, wurde Hessen von einem CDU-Ministerpräsidenten regiert.

          Zu den Hinterlassenschaften der alten Regierung gehörte ein Prozeß zwischen dem Land und der katholischen Kirche über einen Diplomstudiengang Theologie an der Frankfurter Universität, dessen Einrichtung die Kirche für unvereinbar mit dem Konkordat hielt. Theologie, so die Argumentation der Kirche, werde ausreichend an der kirchlichen Hochschule St. Georgen angeboten. Die neuen Koalitionspartner waren in dieser Frage unterschiedlicher Meinung. Während die FDP an dem staatlichen Studienfach Theologie festhalten wollte, hätte die CDU die dafür benötigten Mittel gern sinnvoller ausgegeben. Die Koalition bemühte sich daher um eine einvernehmliche Lösung des Streits.

          Für die Beziehungen zu den Kirchen war der leitende Ministerialrat W. zuständig.

          Gleich zu Beginn der Amtszeit der neuen Regierung hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz gegenüber dem Ministerpräsidenten bei dessen Antrittsbesuch Vorbehalte gegen W. geäußert. Personelle Alternativen gab es in der Staatskanzlei damals nicht. In der darauffolgenden Zeit wurden von den Vertretern der beiden Kirchen bei der Landesregierung immer wieder Klagen über mangelnde Information und schleppende Terminabsprachen erhoben. In der zweiten Jahreshälfte 1988 informierte Staatssekretär K. des von Minister Gerhardt (FDP) geleiteten Wissenschaftsministeriums den Chef der Staatskanzlei über ein Gespräch mit dem Bischof von Limburg, in dem dieser schwere Vorwürfe gegen W. in Zusammenhang mit dem anstehenden Rechtsstreit erhoben hatte. Er hatte, so K., Fragen nach der "Zurückhaltung, Objektivität und Loyalität des Beamten im Verhältnis zu seinem persönlichen Engagement und seiner persönlichen Meinung" gestellt und darum gebeten, ihn nicht als Vertreter des Landes in eine Kommission zur einvernehmlichen Lösung des anhängigen Rechtsstreits zu entsenden. Überdies hatte Pater B., der Rektor der kirchlichen Hochschule St. Georgen, dem Chef der Staatskanzlei in mehreren Gesprächen dargetan, daß W. zusammen mit dem Domkapitular B. hinter dem Rücken des Bischofs seine eigene Politik betreibe, "die weder im Sinne der Landesregierung noch der katholischen Kirche" sei.

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