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Rezension: Belletristik : Es kommt ein Kahn geladen

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Albrecht Schaeffers monumentaler Bildungsroman "Helianth", aus dem Nachlaß ediert / Von Rolf Vollmann

          12 Min.

          Gegen Ende des Werks, durch das achte Buch, fährt auf den Flüssen und Kanälen der Norddeutschen Tiefebene, zwischen Elbe und Ems, einer dieser langen dunklen Kähne durch den Spätsommer und Herbst. Das ganze Innere des langen Kahns, dreißig Meter, wirkt wie ein "unendlicher sanft erleuchteter Raum oder Gang", der durch "lichtfarbene Vorhänge aus Glasperlen, oder kleinen Glasröhrchen", in einzelne Räume abgeteilt ist. In die langen, dunklen Wände sind Glaskästen eingebaut, die beleuchtet werden können, Aquarien mit Wasserpflanzen und Fischen: die also dort sind, wo sonst, hinter ihnen jetzt, das wirkliche Wasser ist.

          Auf diesem Kahn "Argo" durch das Buch fährt Jason al Manach, schwarzäugig, ein wunderbarer Kenner aller Dichtungen, ein unerschöpflicher Erzähler wunderlicher Geschichten, ein trostreicher Freund aller Leute im Buch, und er weiß manchmal, was passieren wird; und fährt also auf diesem leise tuckernden Kahn, auch nachts, so klingt das, durch das Land, durch das Buch. Der Kahn (er taucht erst in dieser späten Fassung des Romans auf) könnte auch ein Bild sein für den ganzen "Helianth", der sozusagen ungesehn mit seinem unerahnbaren Innern fast ewig lange nun schon durch die Landschaften und Jahreszeiten unsrer Literatur fährt. Und es ist wirklich ein merkwürdiger Schock, den Kahn zu besteigen und dann in ihn hinabzutauchen zu Fahrten, von denen man sich nichts hat träumen lassen können.

          Zunächst also die verschiedenen Fassungen dieses Buchs. Schon 1909, heißt es in einer Chronologie, die ein Freund Albrecht Schaeffers nach dessen autobiographischen Aufzeichnungen gemacht habe, wie er sagt, schon 1909 habe sich Schaeffer danach mit einem Romanplan beschäftigt, dessen Hauptpunkt die Liebe zweier Brüder zu ein und demselben Mädchen gewesen sei, und der eine bringt dann den andern um - tatsächlich kommt diese Geschichte dann im großen Roman vor, und die Personen heißen wie damals Josef, Erasmus und Renate. Aus demselben Jahr 1909 soll auch, nach eben jener Quelle, der Plan zu einem Buch über eine Ulrika Tregiorni stammen - auch sie ist dann eine Hauptfigur im großen Roman. 1916 habe Schaeffer dann ernsthaft mit dem Roman begonnen, im Juli 1920 sei er abgeschlossen gewesen und dann im März 21, mit der Jahreszahl 1920, dreibändig bei der Insel in Leipzig erschienen. In den Jahren 1918 und 19 - und aus diesen Jahren auch stammend, Stücke gewissermaßen, die, obgleich zu den Figuren des großen Romans gehörend, dort gleichwohl nicht erscheinen würden - publizierte Schaeffer drei Bücher, nämlich "Gudula", "Elli" und "Josef Montfort". Davon nachher.

          Den großen Dreibänder von 1920 (oder eben 21; jedenfalls nicht, wie häufig zu lesen steht, 20-24) habe ich vor mir liegen, er hat insgesamt an die 2400 Seiten, in einer sehr schönen Fraktur bedruckt, ungefähr 640000 Wörter, das ist die Stärke von Tolstois "Krieg und Frieden" oder zweimal die "Buddenbrooks" und gratis dazu die "Königliche Hoheit". Aus dem Jahre 1924 gibt es eine Dünndruckausgabe, ebenfalls dreibändig, mit dem Vermerk: "5. bis 8. Tausend". 1928 erschien eine vom Autor auf 1700 Seiten gekürzte zweibändige Ausgabe, von der er meinte, sie sei viel besser als die große alte Fassung, er habe alles Überflüssige weggemacht.

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