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Rezension: Belletristik : Der Traumtöter

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John Cowper Powys in seinen Tagebüchern · Von Elmar Schenkel

          6 Min.

          Auf einer Schiffsreise von New York nach England im Jahre 1929 beginnt einer ein Tagebuch. Der Mann ist 56 Jahre alt und seit zwanzig Jahren als Vortragsreisender in Sachen Literatur unterwegs, außerdem ist er Romancier, Lyriker, Verfasser von Traktaten über das Glück und den Kosmos, von, wie er selbst sie nennt, "Kultbüchern für schräge Vögel". John Cowper Powys hat sich kurz zuvor mit "Wolf Solent" in die Weltliteratur eingeschrieben, mit einem Roman, der bei seinem Erscheinen auf deutsch von Hesse, Jahnn und Brod bewundert wurde. Von nun an wird er täglich, über dreiunddreißig Jahre hin, bis kurz vor seinem Tod, Tagebuch schreiben.

          Auf dieser Atlantiküberquerung bereitet er sich auch auf seinen nächsten großen Roman vor, "A Glastonbury Romance", liest Studien zur Artussage und stimmt sich auf Südwestengland ein, den imaginären Boden, auf dem seine besten Romane wachsen. Es sollte ein wichtiges Jahrzehnt für ihn werden: die Jahre von Umzügen, des Niederlassens auf dem Land, zunächst im Staat New York, dann in Dorset, schließlich in Wales; das erste dauerhafte Zusammenleben mit der Lebensgefährtin Phyllis Playter, während er Frau und Sohn aus der Ferne finanziell unterstützt; die Jahre, in denen seine vier größten Romane entstehen, darunter "Weymouth Sands", eine Autobiographie, die über alle konventionellen Stränge schlägt, sowie fünf lebensphilosophische Bücher, von denen eines auf deutsch unter dem Titel "Kultur als Lebenskunst" vorliegt. Bedenkt man, daß Powys zu den fleißigsten Briefschreibern aller Zeiten zählt, stellen sich zwei Fragen: Was drängt diesen Autor so unablässig in die Sprache, zur Freude seiner Leser, zum Ärger seiner Feinde? Wie hat er neben diesem ungeheuren literarischen Ausstoß noch ein Leben führen können?

          Die Powys-Spezialistin Morine Krissdóttir hat aus den umfangreichen Tagebüchern ein gutes Zehntel destilliert und eine kommentierte, von Henning Ahrens flüssig übersetzte Ausgabe erstellt. Auf englisch liegen Tagebücher zu einzelnen Jahren vor (1930, 1931, demnächst 1934/35), so daß die Auswahl überprüft werden kann. Was bei der Kurzfassung verlorengeht, sind die vielen Anrufungen, Wiederholungen und Flüche, die gesprochene Qualität des Niedergeschriebenen. Dennoch scheint die Auswahl für hiesige Leser berechtigt, wenn man sich auch über die Limitierung und den Preis dieser Ausgabe ärgern kann. Vieles, was die gefeierte und gehaßte "Autobiography" - 1992 vom Kirchheim-Verlag auf deutsch herausgebracht - ausläßt und an neuen Rätseln produziert, kann man nun im Tagebuch mit erfrischender Offenheit nachlesen, obwohl auch dieses Schreibwerk für Leser bestimmt war. Etwa das Reizthema Nummer eins: Powys und die Frauen. Warum tauchen sie nicht in der Autobiographie auf, die doch alles erzählen will? Ein politisch korrekter Verriß in einer deutschen Wochenzeitung soll gar dazu geführt haben, daß Buchhändler anfingen, ihre Exemplare zurückzuschicken. Der Grund für die Auslassung war schlicht - Rücksicht.

          In den ersten Tagebüchern wird nun ersichtlich, wie viel Powys vor allem eine Frau bedeutete: die um 22 Jahre jüngere Amerikanerin Phyllis Playter, die er auf einer seiner Vortragsreisen kennengelernt hatte. Sie figuriert in seinem Tagebuch als T.T., the Tiny One oder Tiny Thin oder the Tao. Das Tagebuch selbst ist erwachsen aus den fast täglichen Briefen, die er seinem "Elementarwesen", seiner Undine und Sylphe von seinen amerikanischen Vortragsreisen schickte. Sie tritt im Tagebuch als kritische Leserin des Tagebuchs auf, mit Einwänden wie dem, er solle nicht so oft über die Notdurft seines Hundes schreiben.

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