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Rezension: Belletristik : 1915

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Grazia Deledda "Marianna Sirca"

          1 Min.

          Die große Duse war siebenundfünfzig, als sie noch einmal in einem Film eine der unwiderstehlichen Frauen Grazia Deleddas spielte, eine dieser Frauen, die, so sagen wir uns, nur unter Korkeichen und Efeu gedeihen, in Geschichten aber, die mit der Wahrheit über das, was in Menschen vorgehen kann, so unmittelbar auch unser Herz treffen, daß wir glauben, in Sardinien, unter den Korkeichen, da seien wir eigentlich alle geboren, wenn wir wirklich leben. So hingesagt, klingt das sentimental. Auch die Autorin, 1871 dort auf Sardinien wirklich geboren, lebte dann seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts, mit dem sie berühmt wurde, in Rom, und schrieb in der Großstadt die wilde Welt auf, für deren Schilderung sie 1926 den Nobelpreis kriegte (sie starb 1936). Man wird sentimental, wenn man sich einfach denkt, zurück unter die Korkeichen; aber wenn Grazia Deledda, die dort Großgewordene, ihre Geschichten erzählt, hier die des reichen schönen Mädchens, das, egal, was daraus wird, einen Banditen will, dann vergißt man sich selbst. Die Seele lebt ein und zwei Leben, in die sie niemals selbst geraten wäre, und läßt uns nun sehen, wie beschränkt wir sind, selbst wo wir uns unabhängig glauben für unsre Verhältnisse, und läßt uns ahnen, ja, wir wissen nicht genau: was eine andre Welt auch aus uns hätte machen können? was wir sein könnten, wenn wir wirklich lebten? wie groß es sein muß, unbedenklich dem zu folgen, was auch wir doch wollen könnten, wenn wir's einmal auf die Freiheit ankommen ließen? Ach, schwer zu sagen das alles, ohne sentimental zu werden, und wir sind ja nun einmal nicht aus Sardinien, das ist wahr. Aber noch ziemlich lange leuchtet der Mond, nach dem wir nun doch manchmal sehn, anders als sonst auch hier. (Grazia Deledda: "Marianna Sirca". Aus dem Italienischen übersetzt von F. Gasbara, überarbeitet und mit einem Nachwort versehen von Ute Stempel. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992. 221 Seiten, br., 9,80 DM.) R.V.

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