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Rezension: Belletristik : 1896

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Sarah Orne Jewett "Das Land der spitzen Tannen"

          1 Min.

          Es gibt Bücher, von denen man sich, beim Lesen noch, sagt: Dies ist das schönste Buch der Welt - eines ist dieses hier von Sarah Orne Jewett, einer Arzttochter aus Maine, die von 1849 bis 1909 lebte, Freundin der viel jüngeren Willa Cather - glänzend geschult beide an der großen Literatur ihrer Zeit, an Flaubert, an Henry James, und aus dieser Schule kommend dann das, was man, ganz richtig, wenn man's genau genug versteht und ganz ohne Abfälligkeit, Regionalisten nennt: Dichterinnen ihrer Landschaft also. (Zur selben Zeit, eine Regionalistin auch sie, schrieb in Italien Grazia Deledda - nach Jane Austen, George Sand und George Eliot ist immer noch außer dem Leben der Roman das, worin die Frauen groß sind.) Die Landschaft der Jewett ist Maine, im Nordosten der Vereinigten Staaten, eine karge Küstengegend bei ihr, von Fischern und Farmern bewohnt. Und eine Besucherin beschreibt nun in großgesehenen Bildern dieser Landschaft Menschen, die dort zu Hause sind - da ist eine winzige Insel, auf die sich vor vielen Jahren eine junge Frau zurückgezogen hatte, als ihr Geliebter sie verließ, sie habe allzusehr mit Gott gehadert, soll sie gesagt haben; da ist ein einsamer, seltsam gewordener Fischer, der auf das Land um sein Haus Stangen stellt, Bojen, wo Felsen dicht unter der Krume sind; ein alter Kapitän, ein großer Leser Miltons, hat einmal, nach einem Schiffsscheitern, die Stadt gesehn, in der die Gestorbenen wohnen, im Zwischenland vor dem wirklichen Tod; und endlich kommt diese ganze Welt in den Blick, als, zu einem Familientag, von überall her Leute zusammenströmen, mit Wagen, zu Fuß oder in diesem zerklüfteten buchtenreichen Land mit Booten, deren Segel man schon von fern überall von den Hügeln aus unten leuchten sieht - ja, doch, dies ist das schönste Buch der Welt. (Sarah Orne Jewett: "Das Land der spitzen Tannen". Aus dem Amerikanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Elisabeth Schnack. Deutscher Taschenbuch Verlag [manesse im dtv], München 1993. 378 S., br., 14,- DM.) R.V.

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