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Quentin Tarantinos Romandebüt : Weniger Gemetzel, mehr sexuelle Freizügigkeit

Ein fortblühendes Leben: Margot Robbie spielt Sharon Tate. In der Filmversion wird ihr wahres bitteres Ende durch den wehrhaften Rick Dalton verhindert. Im Buch kommt diese aus Liebe zur Kinogeschichte geborene Fiktion leider zu kurz. Bild: Allstar/Sony Pictures Entertainm

Final Cut bedeutet hier den Wegfall des Finales: Mit „Es war einmal in Hollywood“ schreibt Quentin Tarantino eine zweite Version des Stoffs aus seinem Erfolgsfilm.

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          Quentin Tarantino hat das Buch zu einem Film geschrieben. So what? Das war doch bei allen seinen neun bisherigen Filmen der Fall, und für einige andere Regisseure war er auch schon schreibend tätig. Aber dabei handelte es sich jeweils um Drehbücher – wenn man der Kompetenz der amerikanischen Filmakademie glauben will, Tarantinos eigent­liche Domäne, denn seine beiden Oscars hat er als Autor gewonnen (für „Pulp Fiction“ und „Django Unchained“). Dann aber ist vor einem Monat in den Vereinigten Staaten und kurz danach nun auch auf Deutsch der erste Roman des 1963 geborenen Filmemachers erschienen, und zwar heißt dieses späte literarische Debüt wie sein jüngstes Kinowerk: „Es war einmal in Hollywood“. Doch es ist nicht das, was man gemeinhin von einem „Buch zum Film“ erwarten würde. Und das ist auch gut so.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Denn dieses Genre wird allgemeinverachtet, während Verfilmungen von Büchern große Erwartungen wecken (wegen des zahlreicheren Publikums im Kino oder vor dem Bildschirm). Einträglich mag die Adaption von Leinwandhandlungen als gedrucktes Wort zwar auch sein, aber erträglich ist sie aus qualitativer Sicht selten. Ambitionierte Autoren bestellen dieses Feld nicht, weil zu ihrem Verständnis literarischer Betätigung der Nimbus des Originalgenies gehört. Und ambitionierte Leser erwarten dasselbe. Bei „Büchern zum Film“ ist deshalb der Verdienst Anreiz, nicht das Verdienst.

          Größere Drastik als im Film

          Für Tarantino jedoch zählt beides. Nachdem er 2019 mit „Es war einmal in Hollywood“ das beste Einspielergebnis seiner Karriere erzielte und für die Zeit nach dem nächsten Film seinen Abschied vom Regiestuhl angekündigt hat, schloss der amerikanische Buchkonzern HarperCollins mit ihm einen Vertrag über zwei Bücher ab – als Option auf die viele freie Arbeitszeit Tarantinos im postcineastischen Leben. Aber für den ersten Titel wollte man noch die Gunst des frischen Kinoerfolgs nutzen. Doch wer erwartet hätte, die Geschichte des abgehalfterten Cowboy-Darstellers Rick Dalton und seines früheren Stuntmans und nunmehrigen „Männchens für alles“ Cliff Booth noch einmal nacherzählt zu bekommen, der wird enttäuscht.

          Quentin Tarantino: „Es war einmal in Hollywood“. Roman.
          Quentin Tarantino: „Es war einmal in Hollywood“. Roman. : Bild: Kiepen­heuer & Witsch

          Und zwar produktiv, denn Tarantino verfügt in der Tat nicht nur über cineastisches, sondern auch literarisches Können. Dazu gehört auch das Wissen um die Gesetze der jeweiligen Kunstform. Metzel­szenen zum Beispiel, wie sie das Kinowerk des Regisseurs prägen, lassen sich nicht ebenso effektvoll beschreiben wie verfilmen. Gleichzeitig gestatten gedruckte Schilderungen größere Drastik etwa in Sachen Sex, als ein Filmemacher, der Rücksicht auf die Kriterien für Altersfreigaben im Kino nehmen muss, sie zeigen könnte. Entsprechend geht es im Buch „Es war einmal in Hollywood“, nachdem die junge Pussycat zu Cliff Booth ins Auto gestiegen ist, weitaus freizügiger zu als im gleichnamigen Film – und das Mädchen ist im Buch auch weitaus jünger, verboten jung sogar.

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