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: Polterabend

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Mit dem Untertitel fängt es an: "Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen". Dann gibt es kein Halten mehr, das ist ein polternder Gerhard Polt, wie man ihn liebt. Urlaubte er auch zwischenzeitlich auf dem Komposthaufen Comedy - man denke an den Film "Germanicus" -, hier steht der bierernste ...

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          Mit dem Untertitel fängt es an: "Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen". Dann gibt es kein Halten mehr, das ist ein polternder Gerhard Polt, wie man ihn liebt. Urlaubte er auch zwischenzeitlich auf dem Komposthaufen Comedy - man denke an den Film "Germanicus" -, hier steht der bierernste Satiriker, der vierzehn Brandreden gegen die stumpfsinnig "schweigende Mehrheit" ("Laut sind nur so Minoritäten") hält. Es beginnt mit der Vergangenheitsbeschau eines Bayern: "Sachen haben wir gemacht, da tät man heute sagen, ui ui ui." Und was zum Beispiel? Einen gefundenen Geldbeutel abgegeben, was sogar die Mutter für Rindviehlertum hielt. Natürlich sinniert bald jemand über Hitler, den er, wäre er damals älter gewesen, wohl zur Torte eingeladen hätte: "Weil der Hitler war ja als solches kein Zechpreller." Aber er war nicht älter, sondern ein brüllender Säugling. Hitler, am Nebentisch, wollte indes hören, "was der Ludendorff seinen Offizieren über den Dolchstoß erzählt", weshalb er sich über den Erzähler beugte und "duzi, duzi, duzi" sagte. Da verstummte das Baby ("Heute erkläre ich mir mein Schweigen natürlich so, dass dieser Mann eben eine enorme Suggestionskraft besessen hat"), und Hitler konnte "in seiner typischen Art hinüberrufen: ,Dada da tok da Dadum, da tata da dü da Judentum!'" Ludendorff gefiel das. Er holte den jungen Mann an den Tisch: "Diese - sagen wir es ruhig - historische Begebenheit habe ich durch mein Stillsein ermöglicht." Hitler aber vergaß vor Aufregung, seine Torte zu zahlen, und erhielt Hausverbot im Münchener Café Annast. (Gerhard Polt: "Drecksbagage". Anwürfe, Unterstellungen, aber auch Ehrabschneidungen. Mit Illustrationen von Reiner Zimnik. Kein & Aber Verlag, Zürich 2008. 128 S., geb., 12,90 [Euro].) oju

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