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Péter Nádas: Eine Katalogreihe mit Fotographien : Was uns die Sonnenstrahlen im Zimmer erzählen

Bild: Verlag

Parallele Geschichten und aufleuchtende Details: Eine Katalogreihe versammelt Fotografien und Essays des ungarischen Schriftstellers Péter Nádas.

          2 Min.

          In der Schreibschule“ heißt eine Fotografie: Zu sehen ist ein akribisch geordneter Tisch mit Manuskripten, Bildern und Brille. Die Sonne scheint ins Zimmer, und der Fensterrahmen wirft interessante Schatten. Dass Péter Nádas seinen Schreibtisch im Jahr 2000 mit einer Polaroidkamera knipste, verrät die gelbliche Eintrübung des Bilds. Im Jahr zuvor entstand eine Schrank-Serie, in der Nádas sein Möbelstück ebensolchen fotografischen Untersuchungen unterzog wie seine Teetasse auf dem Gartentisch.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Wer es nicht mehr schafft, das fotografische Werk des ungarischen Romanciers im Kunsthaus Zug anzuschauen, das noch bis zum 25. November in der Ausstellung „In der Dunkelkammer des Schreibens“ zu sehen ist, kann statt dessen zu vier interessanten und schön gestalteten Katalogen greifen. Darin lassen sich neben dem fotografischen Werk des 1942 geborenen Nádas auch Aufsätze und Essays erkunden.

          Schreibender Lichtbildner

          Seine Texte handeln vom Wesen der Fotografie und den „unerlässlichen Fähigkeiten“ des Fotografen ebenso wie vom Werk ungarischer Künstler wie Attila Mata, Alexander Polzin und Gyula Pap. Der Zusammenhang von Text, Bild und Denken wird ebenso erforscht wie der Unterschied zwischen Kreativität und Findigkeit. Der Band „Schattengeschichte“ zeigt mehr als hundert Schwarzweißfotografien von Péter Nádas, Porträts sowie Landschafts- und Alltagsszenen aus der Zeit zwischen 1960 und 1990, „Lichtgeschichte“ dagegen versammelt spätere Arbeiten, darunter auch kaum bekannte Polaroids.

          Die Auseinandersetzung mit Licht und Schatten hat den Schriftsteller, der 1961 als Fotoreporter begann, beim Schreiben stets begleitet. Dabei könnten beide Bereiche, worauf Matthias Haldemann hinweist, gegensätzlicher kaum sein. Während der Lichtbildner mit dem Fotoapparat unwiederbringliche Augenblicke rasch per Knopfdruck festhält, entstehen die Romane von Péter Nádas in Zeiträumen von vielen Jahren.

          Unendliches Erzähllabyrinth

          Die simultane Präsenz einer Fotografie ist das Gegenteil der linearen Erzählzeit im Text. Als Fotograf fängt Nádas flüchtige Lichtmomente ein, während er als Autor ein Mammut-OEuvre wie die „Parallelgeschichten“ schreibt - Anfang dieses Jahres auf Deutsch erschienen - in dem sich Gegenwart und Geschichte in einem unendlichen Erzähllabyrinth miteinander verbinden.

          Bei aller Gegensätzlichkeit lassen sich bei Péter Nádas aber auch Gemeinsamkeiten von Wort und Bild finden, etwa, wenn in seinen Romanen von Fenstern, Spiegeln und Reflexionen die Rede ist. Und seine Erzählung „Der eigene Tod“ über eine Nahtoderfahrung, nachdem Nádas auf der Straße einen Herzinfarkt erlitt, wird begleitet von einer Fotoserie des Wildbirnbaums aus einem Garten: im Wechsel der Jahreszeiten.

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