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Peter Handke: Die Kuckucke von Velika Hoca : Zum Balkan mit dem Kuckuck

Rückzug ins serbische Idyll: Peter Handkes neuer Roman verläuft jenseits der Zeitgeschichte
          4 Min.

          Wird es nun also wieder einen Skandal geben, mit allen Pauken und Trompeten des deutschen Feuilletons? Eine Überraschung wäre das nicht, ist doch diese Übung, sobald Peter Handke ein Werk über das ehemalige Jugoslawien vorlegt, zum begleitenden Ritual geworden. Doch wenigstens diesmal sollte es anders sein. Handkes neues Buch taugt nur dem zum Ärgernis, der partout eines daraus machen und das Spiel von Empörung und Gegenempörung mitspielen will.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Dieses Buch, „Die Kuckucke von Velika Hoca“, erzählt von einer Reise, die Handke im Mai vergangenen Jahres in das Kosovo unternahm, bald nach dessen Unabhängigkeitserklärung. Im Mittelpunkt steht das Dorf Velika Hoca, eine von Serben bewohnte Enklave im Südwesten des Kosovos, die bei Ausländern seit längerem in Mode ist. Ungezählte Journalisten waren da und haben ihre Enklavenreportagen geschrieben, Serbiens Präsident Tadic hat dort Wahlkampf geführt, und die in der Nähe stationierte Bundeswehr fährt seit Jahren Besucher dorthin, zum Serbengucken.

          Gleich nach dem Krieg 1999 kam auch Timothy Garton Ash und wurde von einer Bewohnerin beschimpft: „Leute wie Sie kann ich nicht leiden, die herkommen, uns eine Viertelstunde angaffen, als wären wir Tiere im Zoo, und dann wieder wegfahren.“ Handke kam für mehrere Tage, doch natürlich ist das Ergebnis nicht etwa ein Reisebericht, sondern eine Handke-Reportage mit etwas Lokalkolorit als Beiwerk - Velika Hoca wird zur Enklave Handke.

          Neuer Blick

          In dem abgeschotteten und sich abschottenden Dorf spricht der Schriftsteller, im Nussbaumschatten friedlicher Maientage, mit den Einwohnern. Er erfährt, dass der Pope des Ortes während des Krieges wahnsinnig wurde und sich nur noch mit seinen Perlhühnern oder Brieftauben umgab, inzwischen aber wieder zu Sinnen gefunden hat. Handke kauft dem vom Irrsinn Genesenen ein Ferkel. Auch wird er von einem alten Mann, einem echten aus Fleisch und Blut oder auch nur einem für den Fortgang der Erzählung notwendigen, beschimpft: Was er hier zu suchen habe, zum Teufel mit den Ausländern.

          Es kann sein, dass Handke für dieses Buch wieder kritisiert werden wird. Weil er die Kriegsverbrechen von Serben an Albanern nicht verdammt, Massaker in der Umgebung unerwähnt lässt oder einfach, weil er seinem poetischen Privatserbien nun auch ein Privatkosovo hinzufügt, ein Land ohne politischen Hintergrund, wie in der Luft hängend, bestehend aus den zufälligen Empfindungen eines Durchreisenden. Doch bevor der Schlachtenlärm anhebt, sei gefragt - ist es das wert?

          Tradition der Serbienidylle

          Es sollte längst zur Gewohnheit geworden sein, Handkes Äußerungen zu Jugoslawien politisch nicht ernst zu nehmen, zumal deshalb, weil sie auf unselige Weise davon ablenken, dass einiges bei ihm, etwa seine Szenen aus der winterlichen Kleinstadt Bajina Basta an der Drina oder die von der Stille der Donau bei Smederevo, zum Schönsten gehören, was je ein Ausländer über Serbien geschrieben hat.

          Im Übrigen ist das Phänomen der handkeschen Serbienidylle nichts Neues. Handke steht - vermutlich ohne es zu wissen und gewiss ohne es zu wünschen - in einer ziemlich reichen, Jahrhunderte zurückreichenden, allerdings auch weithin unbekannten (beziehungsweise schon vor Generationen wieder vergessenen) Tradition einer schwärmerischen deutschsprachigen Serbienliteratur.

          Alte Gewohnheiten

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