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Nina Jäckle: Sevilla : Atemraubend

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Bild: Berlin Verlag

Nina Jäckles Kurzroman ist filigran trotz Action. Sie hat während eines halbjährigen Aufenthalts in Sevilla zugelassen, dass sich ihr Umfeld „einschleicht“. Ihr neuer Roman schleicht sich ebenfalls ein.

          Ein Geldbote ist erstochen worden. Die Geliebte und Komplizin des Mörders flieht mit der Beute von Deutschland nach Sevilla. Sie wartet monatelang - auf ihren Gefährten, auf die Verjährung der gemeinsamen Tat, auf ein neues Leben. Sie lebt auf der Schnittkante von Hoffnung und Angst, Vertrautheit und Fremde.

          „Me borro, me pinto“ - „Ich radier' mich aus, ich mal' mich neu“ hat Nina Jäckle ihrem dritten, wieder anmutig stillen Roman als Motto vorangestellt. Ihre Heldin spielt mit Identitäten und sucht sich einen neuen Liebhaber, der ihre Sprache nicht versteht. Sie bügelt ihm die unschuldigen, reinweißen Hemden, freundet sich später mit der Whiskey trinkenden Mercedes an. Und sie lernt erste Fremdwörter, die in ihre Sätze einbrechen.

          Was sich nicht ausradieren lässt

          „Es wird kälter, sie binden die Palmenblätter nach oben, wie Kerzen stehen die Palmen starr auf den Plätzen, für den Winter in Form gebracht.“ Aus Sommer wird Herbst, wird Winter. Aus Mercedes eine Vertraute. Gemeinsam geben sie einen Teil der Beute aus. Ein Alltag beginnt. Bis der längst vergessene Komplize auftaucht und berichtet, dass man in Schwierigkeiten stecke, „so richtig in Schwierigkeiten, ich hoffe, dein Bett ist groß genug, ich werde bleiben“.

          Es gibt Ärger mit Leuten, die ihr Geld zurückhaben wollen, mit einem Bruder, der seinen Bruder rächen will. Mit der neuen Unruhe konfrontiert, erwägt die Frau, ihren einstigen Geliebten zu beseitigen. Wer vermisst einen Flüchtling? Es folgen Abstürze, bizarre Pläne, ein Mord, eine Menge Action, allerdings mit stummgeschaltetem Ton.

          Nina Jäckle hat während eines halbjährigen Aufenthalts in Sevilla zugelassen, dass sich ihr Umfeld „einschleicht“. Ihr neuer Roman schleicht sich ebenfalls ein. Der Puls fährt nach wenigen, impressionistisch hingetupften Absätzen herunter: „Ich bin leise, niemand soll hören, dass nur ich in diesem Zimmer atme, dass es nur meinen Körper gibt in diesem Bett.“ Glück bedeutet, für einen Augenblick daneben liegen zu können.

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