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: Nein, Fuchs, nein

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Dass sich im steten Kommen und Gehen der Atem der Welt offenbart, hat uns die Lyrik immer wieder bewiesen. Nun ist die Erkenntnis auch im Kinderbuch angekommen. In Kate Banks' Geschichte eines jungen Fuchses, der es nicht abwarten kann, auf eigenen Pfoten zu stehen, heißt es: "Und der Regen kommt ...

          Dass sich im steten Kommen und Gehen der Atem der Welt offenbart, hat uns die Lyrik immer wieder bewiesen. Nun ist die Erkenntnis auch im Kinderbuch angekommen. In Kate Banks' Geschichte eines jungen Fuchses, der es nicht abwarten kann, auf eigenen Pfoten zu stehen, heißt es: "Und der Regen kommt und geht", "Und die Sonne kommt und geht", "Und die Sterne kommen und gehen", und einmal kommt tief im Wald sogar ein Heulen - und geht, worauf die Stille zum friedvollen Summen wächst. Ja, ja, so geht das, denkt man, und dass Kate Banks ihren T.S.Eliot gut im Ohr hat. Nur der Fuchs muss bleiben. "Du bist noch nicht so weit", sagen ihm die Eltern jedes Mal, wenn er davoneilen will, zum Fuchsbau hinaus in den Wald. Immer hört er die Ermahnung: "Nein, Fuchs, nein."

          Es ist eine seltsam melancholische Geschichte, die Kate Banks erzählt, denn obwohl sich der "Kleine Fuchs" mit den permanent ausgesprochenen Verboten nahe am Alltag der kleinen Leser, nein, eher wohl Zuhörer bewegt, denen der nur bedingt tröstende Verweis auf später allzu vertraut sein dürfte, geht es in der Geschichte eben nicht nur ums Erwachsenwerden, sondern letztlich um den Abschied von den Eltern. Der Fuchs kann es kaum erwarten, selbst zu jagen, Beeren zu sammeln und zu rennen wie der Wind. Frohgemut, ohne jeden Anflug von Skepsis im kindchenschemagerechten Gesicht, tapst er auf der letzten Seite, endlich, der Zukunft entgegen, die untergehende Sonne im Rücken. "Es wird ihm gutgehen", formuliert Kate Banks am Schluss oder zumindest die Übersetzerin, die mit der Wortwahl noch einmal das Thema der Bewegung aufgreift. "Mama Fuchs weiß es, und Papa Fuchs weiß es auch." Vielleicht dient die Lektüre des Buchs von Kate Banks ja auch der Zuversicht der Eltern.

          In Wirklichkeit freilich ist es ein Buch von Georg Hallensleben. Auf siebzehn Doppelseiten entfaltet erst er mit seinem dicken, alle Details verschmähenden Farbauftrag den Bildungsroman des Fuchses vom Wollknäuel zum kleinen Jäger. Mit den Fäden des Regens, einer Hecke oder dem dichten Laub eines Hains findet er überzeugende Metaphern für die eng gesteckten Grenzen der Kinderwelt. Und die großen Augen des kleinen Tiers werden zu überzeugenden Bildern der Neugierde. Hier Tag, dort Nacht; hier Frühjahr, dort Herbst, kommen und gehen die Tage - und selbst die Kleinsten lernen zu verstehen, dass nichts bleibt, wie es ist, auch wenn alles wiederkommt.

          FREDDY LANGER

          Kate Banks, Georg Hallensleben: "Kleiner Fuchs". Aus dem Amerikanischen übersetzt von Monika Osberghaus. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2007. 40 S., geb., 12,80 [Euro]. Ab 3 J.

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