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: Nebel ist Leben, nur rückwärts und rumgetränkt

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Liebe ist eine schlechte Voraussetzung für gute Geschäfte. Mit Gleichgültigkeit gegenüber der Ware ließe sich jedenfalls mehr Profit machen - zumindest in der kubanischen Antiquariatsbranche, in der sich Mario Conde, der Held aus Leonardo Paduras "Havanna-Quartett", nach seinem Ausscheiden aus der Kriminalpolizei im Herbst 1989 umtut.

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          Liebe ist eine schlechte Voraussetzung für gute Geschäfte. Mit Gleichgültigkeit gegenüber der Ware ließe sich jedenfalls mehr Profit machen - zumindest in der kubanischen Antiquariatsbranche, in der sich Mario Conde, der Held aus Leonardo Paduras "Havanna-Quartett", nach seinem Ausscheiden aus der Kriminalpolizei im Herbst 1989 umtut. Die berufliche Neuorientierung des Serienhelden deutete sich schon in dem Kriminalroman "Adiós Hemingway" (2006) an. Darin rechnet der 1955 in Kubas Hauptstadt geborene und trotz staatlicher Reglementierung noch heute dort lebende Journalist und Autor mit einem seiner literarischen Vorbilder ab, wobei sich für seinen Helden damals die Waagschale noch kräftig in Richtung eines Neubeginns als Schriftsteller geneigt hatte.

          Doch wenn man nicht weiß, was man essen und - in Condes Fall noch schlimmer - womit man sich betrinken soll, wird der Traum, "untergründige und berührende Geschichten" in der Nachfolge von Jerome David Salinger in die Tasten einer altersschwachen "Underwood" zu hauen, eben noch einmal vertagt. Dreizehn Jahre sind so ins sozialistische Inselland gegangen, die Versorgungslage ist schlechter denn je. Das versuchen Anfang des neuen Jahrtausends selbst offizielle Stellen nicht mehr zu vertuschen. Für ein paar Geldscheine, mit denen man sich etwas zu essen kaufen kann, trennen sich in dieser Situation viele Kubaner leichten Herzen von ihren alten, teils in Leder gebundenen Schwarten. In einer verfallenen Villa im einst vornehmen Stadtteil Vedado stößt Conde bei den vom Hunger gezeichneten Geschwistern Anna und Dionisio Ferrero sogar auf eine seit vier Jahrzehnten unberührte Bibliothek mit bibliophilen Schätzen, deren teilweiser An- und Verkauf ihn kurzfristig vermögend macht, ihn aber zugleich in Bedrängnis bringt, denn trotz der Verwünschungen für den traurigen Zustand seines Landes ist Paduras Held ein Patriot, der die Kultur seiner Heimat liebt.

          Wenn also die Erstausgabe von Cirilo Villaverdes Roman "Das Mädchen mit dem goldenen Pfeil" von 1842 oder das mit Lithographien von Eduardo Laplante illustrierte Buch "Die Zuckerrohrplantagen Kubas" von 1857 in Geld verwandelt werden sollen, verzichtet der Antiquar lieber auf eigene Gewinne, als solchen geistigen Kostbarkeiten den Weg außer Landes zu ermöglichen. Genau für diese Skrupel liebt man den melancholischen Moralisten und harten Kerl mit der intellektuellen Ausrichtung, die ihn wohltuend von dem maskulinen Gehabe abheben, mit dem Paduras fünf Jahre älterer Kollege Pedro Juan Gutiérrez seine autobiographischen Havanna-Bücher durchsetzt hat.

          Wenige Tage nach den Skrupeln schlagen aber auch noch die ehemaligen Kollegen zu: Als nämlich Dionisio Ferrero tot aufgefunden wird, steht der Expolizist plötzlich unter Mordverdacht. Doch das sieht Conde sportlich, da er sich erstens unschuldig weiß und ihn zweitens längst eine andere Leidenschaft gepackt hat: In dem opulenten Kochbuch "Schmeckt es?" von 1956 aus der Bibliothek der Geschwister war er auf einen Zeitungsartikel über die Bolerosängerin Violeta del Río gestoßen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den fünfziger Jahren plötzlich spurlos verschwand.

          Auch ohne Ermittlungsauftrag ist die angeborene Neugier des inzwischen achtundvierzigjährigen Conde geweckt, den trotz "ramponiertem Leib und ausgelaugter Seele" seine sinnliche Lebenslust durch die tropisch-schwülen Tage bringt. Und so will er herausfinden, warum die faszinierende Frau, die aus Leidenschaft sang, so plötzlich verstummte. Conde befragt Musiker und Clubbesitzer, Fachjournalisten und Nutten, die damals Kontakt zu der schwarzäugigen Sängerin hatten. Dabei taucht er immer tiefer in den Nebel der Vergangenheit ein und findet sich bald in einem Netz aus Lügen wieder. Wie nebenbei spult der schon zweimal mit dem spanischen Literaturpreis Premio Hammett ausgezeichnete Autor den geschichtlichen Wandel Kubas von Fulgencio Batistas Diktatur mit dem Einfluss der aus den Vereinigten Staaten eingedrungenen, von dem Juden Meyer Lansky angeführten Mafia über den revolutionären Umbruch samt Agrarreform und neuer Währung bis zum anhaltenden Verfall des Landes bis heute ab.

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