https://www.faz.net/-gr3-x7ze

: Mutter Deutschland

  • Aktualisiert am

In Paris fand Heinrich Heine einen Freund in Gérard de Nerval, der ihm mit Übersetzungen seiner Lyrik den Weg zum französischen Publikum ebnete. Nerval dankte so für das, was er an Anregungen aus der deutschen Literatur empfangen hatte, von Goethe, dessen "Faust" er schon mit achtzehn Jahren zu übersetzen begann, von E.

          In Paris fand Heinrich Heine einen Freund in Gérard de Nerval, der ihm mit Übersetzungen seiner Lyrik den Weg zum französischen Publikum ebnete. Nerval dankte so für das, was er an Anregungen aus der deutschen Literatur empfangen hatte, von Goethe, dessen "Faust" er schon mit achtzehn Jahren zu übersetzen begann, von E. T. A. Hoffmann und Jean Paul, dessen "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei" in seinen Sonetten "Christus am Ölberg" widerhallt. In seinem Reisebericht "Loreley" (1852) übertrumpft er Madame de Staëls Respektserklärung für die deutsche Kultur noch einmal und nennt das alte Deutschland "unser aller Mutter". Er wird zur Gelenkstelle zwischen der deutschen und der französischen Literatur, aber auch zwischen der französischen Romantik und dem Symbolismus. Manfred Krüger bietet mit der erweiterten Fassung eines erstmals 1981 erschienenen Bandes eine vielseitige Einführung in das Werk und die Biographie. Seine Auswahl von Gedichten hat den Vorzug, dass sie zur französischen Fassung und zur deutschen Nachdichtung teilweise auch eine relativ wortgetreue Übersetzung bietet. So bleibt der Schritt von der Prosa- zur dichterischen Version überprüfbar, bleiben Preis und Gewinn der poetischen Neuschöpfung erkennbar. Kommentar und Nachwort erleichtern den Zugang zur gelegentlich doch sehr "hermetischen" Dichtung Nervals. (Gérard de Nerval: "Die Chimären" und andere Gedichte. Französisch/Deutsch, übersetzt und herausgegeben von Manfred Krüger. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, Stuttgart 2008. 179 S., geb., 15,90 [Euro].) WHi.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich jüngst auf einer Reise durchs Silicon Valley inspirieren lassen.

          Gaia-X : Göttername für Altmaiers europäische Super-Cloud

          Die vernetzte Industrie muss mehr Daten verarbeiten. Der deutsche Wirtschaftsminister will darum eine Alternative zu Amazon und Microsoft schaffen – jetzt stehen die Eckpunkte fest.

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Mehr Labilität wagen!

          Zehn Tage vor zwei Landtagswahlen im Osten kehrt Maybrit Illner mit ihrer Talkshow aus den Ferien zurück. Dabei stiftet sie einen fruchtbaren Streit – mit überraschendem Ergebnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.