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: Mehr als einen Tag mehr

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Am 25. Dezember 2003 wird Quintana, die einzige Tochter des Schriftstellerehepaars Joan Didion und John Gregory Dunne, in New York ins Krankenhaus eingeliefert. Sie ist Ende Dreißig, seit fünf Monaten verheiratet und schon auf dem Sprung nach Kalifornien, wo sie leben will. Doch aus einer Grippe, ...

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          Am 25. Dezember 2003 wird Quintana, die einzige Tochter des Schriftstellerehepaars Joan Didion und John Gregory Dunne, in New York ins Krankenhaus eingeliefert. Sie ist Ende Dreißig, seit fünf Monaten verheiratet und schon auf dem Sprung nach Kalifornien, wo sie leben will. Doch aus einer Grippe, die zunächst aussah wie eine saisonale Unausweichlichkeit, wird ein septischer Schock, eine Infektion des gesamten Körpers. Die Ärzte versetzen Quintana ins künstliche Koma. Ihre Weihnachtsgeschenke bleiben unausgepackt, täglich verbringen die Eltern viele Stunden an ihrem Bett. "Mehr als einen Tag mehr", flüstert ihr Dunne zum Abschied zu, so wie es Audrey Hepburn in dem Film "Robin and Marian" zu Sean Connery sagt, bevor sie beide sterben: "Ich liebe dich mehr als einen einzigen Tag mehr." Jeden Abend verabschiedet sich Dunne auf diese Weise von seiner todkranken Tochter, auch am 30. Dezember. Nach der Rückkehr in die gemeinsame Wohnung beginnt Joan Didion mit den Abendessensvorbereitungen, Dunne nimmt einen Drink. Sie setzen sich zu Tisch, Joan Didion sagt etwas, "John redete, dann redete er nicht". Er sinkt vornüber und ist tot. Das ist die Lage.

          Mitten im Leben sind wir des Todes, sagen die Protestanten. Ein ganz normaler Tag. Und dann - vorbei, sagen Menschen nach einer Katastrophe, einem Erdbeben, Tsunami, dem 11. September. "Das Leben ändert sich in einem Augenblick. Man setzt sich zum Abendessen, und das Leben, das man kennt, hört auf", sagt Joan Didion. Es sind die ersten Wörter, die sie zwei oder drei Tage, nachdem es passiert ist, aufschreibt. Dann schreibt sie lange Zeit nichts mehr. Und dann dieses Buch.

          Fast vierzig Jahren waren die beiden verheiratet, nie länger als hie und da für eine Woche getrennt. "Das Jahr magischen Denkens", das die Schriftstellerin Antje Rávic Strubel mit gutem Gespür für Joan Didions unverkennbaren Sprachrhythmus ins Deutsche gebracht hat, ist nicht nur ein Buch über den Tod, sondern auch über Joan Didions Ehe mit Dunne, die sie kaleidoskopartig und teilweise auch witzig auffächert, und also auch ein Buch über die Liebe.

          Beide leben vom Schreiben, beide arbeiten zu Hause, und "in jeder denkbaren Situation" hatten sie "dieselben Interessen und zeigten dasselbe Engagement". Manchmal, wenn sie Geld brauchen, schreibt einer von ihnen ein Drehbuch oder auch beide zusammen, und einmal, nämlich über ihre gemeinsame Arbeit an dem Film "Up Close and Personal", hat Dunne ein Buch darüber geschrieben: "Monster. Living Off the Big Screen" (1998). Auch in Joan Didions Büchern kommt Dunne einige Male vor, als der Mann, der sie gerettet hat, vor sich selbst und vor der Welt. Sie haben in Malibu in Kalifornien zusammengelebt, viel Zeit auf Hawaii verbracht und sind in den achtziger Jahren zurück nach New York gezogen, von wo aus Joan Didion, die aus Sacramento stammt, in den späten sechziger Jahren weggezogen war, nachdem sie sich mit einem wunderbaren Essay von der Stadt verabschiedet hatte: "Goodbye to All That".

          Quintana adoptieren sie in Kalifornien. Ihr Leben ist glamourös durch die Verbindung zu Hollywood und häuslich, weil beide schreiben oder, wenn sie nicht schreiben, sich Notizen machen für das nächste Buch, die nächste Reportage, den nächsten Essay. Sie sind beide scharfsichtig, scharfsinnig, und beide übersehen nicht das kleinste Detail, wenn sie erkunden, wie Amerika heute funktioniert. Als Dunne stirbt, wird Joan Didion, so nennt sie es heute, verrückt. Mit seinem Tod beginnt für sie ein Jahr des magischen Denkens.

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