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: Meerbusen

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Wer bei einem Gedichtband des Titels "biotope" Ökolyrik erwartet, der irrt. Zwar verfasst Hartwig Mauritz Landschaftsgedichte, die überwiegend der schleswig-holsteinischen Küstenregion gelten, doch als Plädoyer für Naturbewahrung lassen sie sich kaum lesen. Biotope im Sinne dieser Gedichte sind keine ...

          Wer bei einem Gedichtband des Titels "biotope" Ökolyrik erwartet, der irrt. Zwar verfasst Hartwig Mauritz Landschaftsgedichte, die überwiegend der schleswig-holsteinischen Küstenregion gelten, doch als Plädoyer für Naturbewahrung lassen sie sich kaum lesen. Biotope im Sinne dieser Gedichte sind keine Artenschutzgebiete, sondern schlicht Lebensräume, Orte, an denen der Autor gelebt hat und lebt. Dabei begegnet uns das für eine meerumschlungene Landschaft bezeichnende Vokabular: Wellen und Strand, Möwen und Molen, Seetang und Strandhafer, Boote und Reusen. Die Gedichte geben sich als Orts- und Zustandsbeschreibungen. Sie bevorzugen den Berichtston, was, zumal in den autobiographischen Kindheitsgedichten, einen nostalgischen Beiklang nicht ausschließt. Doch entscheidend für die Eigenart dieser Gedichte ist nicht das Was, sondern das Wie der Berichterstattung: Nach dem Muster expressionistischer Bildlichkeit schiebt Mauritz mehrere Sinnebenen ineinander und macht auf diese Weise Gegenstände und Sinneseindrücke zu Akteuren: "ein schattenriss vom mond rollt licht heran", "ein schiff spannte sein segel", "der hafenmeister hat den wind angefacht". Dieses metaphorisierende Verfahren, das in oft allzu dichter, additiver Folge neuartige Formulierungen produziert, gibt den Texten eine irritierende Atmosphäre; umso mehr, als der Leser sich aufgrund der konsequenten Kleinschreibung und der äußerst sparsamen Interpunktion die syntaktischen und semantischen Zusammenhänge selbst erschließen muss. Unverkennbar hat Mauritz einen eigenen Stil entwickelt, der allerdings Gefahr läuft, zur bloßen Manier zu werden. (Hartwig Mauritz: "biotope". Gedichte. Buch&Media Verlag, München 2008. 56 S., br., 7,50 [Euro].) WSg

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