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Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant : Kein Krimi, aber Stilfibel

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Bild: Verlag

Geld ausgeben ist eine Kunst: Martin Suters neuer Roman „Allmen“ schildert mit selbstgefälliger Kennerschaft einen abstrakten Kriminalfall in gehobenen Milieus zwischen London, Zürich und Heiligendamm.

          Zum Auftakt mit „Allmen und die Libellen“ gab es die im Roman beschriebenen Visitenkarten, zur zweiten Lieferung, „Allmen und der rosa Diamant“ gibt es die dazugehörige Website, wenngleich allmen-international.com keinen flanellgrauen, sondern einen stiefmütterchenvioletten Hintergrund hat, und dort zunächst auch nichts über die spezielle Beschäftigung des Johann Friedrich von Allmen, „The Art of Tracing Art“, steht, sondern lediglich ein Steckbrief des Schweizer Privatermittlers, dessen größte Herausforderung ein Kontostand darstellt, der seiner Lebensweise und seinem Geschmack - exquisit und teuer - die meiste Zeit nicht gewachsen ist.

          Mit der Serie um Allmen, diesen kultivierten, etwas betulichen und im Grunde nicht sonderlich interessanten Charakter, gelingt Martin Suter nichts Neues. Vielmehr handelt es sich um eine konsequente Fortschreibung dessen, worin er immer schon besonders gut war: der Schilderung gehobener Milieus. Von der „Business Class“ zur „First Class“, mit gelegentlichen Ausflügen in Holzklasse und Laderaum: Das ist „Allmen“. So liegt auch der Reiz von Suters neuem, heute erscheinendem Werk weniger in der Handlung - die Krimi-Kriterien sind mit einem eher abstrakt bleibenden Mord, einem gigantischen Deal in der ebenfalls abstrakt bleibenden Welt des Hochfrequenzhandels und einer nicht ganz plausiblen Story, wie Allmen und sein Kompagnon Carlos zu diesem Fall und insbesondere zu ihrem „Honorar“ kommen, eher beiläufig erfüllt -, als in der Ausschmückung jener Welten, durch die Suter seinen Helden mit Einstecktuch und Schrankkoffer flanieren lässt, von der Anwaltskanzlei in London über einen Züricher Nachtclub und das Grand Hotel Heiligendamm bis hin zu einem Wohnblock mit illegalen Einwanderern.

          Mehr Niveau als Action

          Mindestens so wichtig wie die Jagd nach einem millionenschweren Computerprogramm ist das von Allmen lässig geteilte Geheimnis des richtigen Singapore Sling, seine Leseempfehlungen - Bruce Chatwin, Daphne du Maurier, Helene von Nostiz - und Playlists. Die vielfältigen Miniaturbeobachtungen weisen den Privatier weniger als Menschen- denn als Milieukenner aus, etwa wenn er im Luxushotel die Mitgäste einteilt in solche, die das Reichsein nur vorgaukeln, jene, die es noch üben müssen, und „einige, die reich genug waren, um nicht gut aussehen zu müssen“. Auch die Rothaarige, die sich am Strand absichtsvoll vor Allmen räkelt, trägt schon beim ersten Auftritt alle Insignien jenes Flittchentums, das sie später unter Beweis stellen wird.

          Dafür, dass Allmen ein so ausgeprägtes Gefühl für das „too much“ hat, welches neues Geld von altem Vermögen scheidet, gefällt er sich in seiner Kennerschaft etwas zu sehr. Aber wer einen Nachfahren von Ian Flemings Bond mit mehr Niveau als Action sucht, ist mit Suters Allmen allemal gut bedient.

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