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Maigret-Marathon 26 : Maigret regt sich auf

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. Siehe auch Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Es ist ja gar nicht so lange her, dass ich den 18. Maigret-Roman gelesen habe - genau acht Wochen. Simenon ließ sich zwölf Jahre Zeit: „Maigret in Nöten“ entstand 1933, „Maigret regt sich auf“, der 26. der Serie, im August 1945. Im 18. Band stand Maigret unmittelbar vor seiner (vorzeitigen) Pensionierung, hier ist er bereits seit „knapp zwei Jahren“ im Ruhestand und übernimmt begierig den ersten Fall, der ihm angetragen wird. Nur: Der 18. Band spielt im Frühling, der jetzige im August. Wenn dies tatsächlich „der zweite Sommer seit seiner Pensionierung“ ist, dann passt das alles nicht recht zusammen. Kann vielleicht ein Leser diesen Widerspruch auflösen?

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mädchen treibt tot im Wasser, ihre Großmutter bittet Maigret um Hilfe, und was er im Lauf der Ermittlungen über die beiden Töchter der alten Dame und deren Gatten erfährt, widert ihn zusehends an.

          Spielt in: Meung sur Loire, Orsenne und Paris.

          Neues über Maigret: Seine Rente beträgt 3200 Francs. Er besuchte einst 3 Jahre lang das Gymnasium von Moulins und trifft hier einen Schulfreund, nein, einen Klassenkameraden, nein, sagen wir: einen Mitschüler wieder.

          Und Frau Maigret? Ihre Hände sind niemals untätig. Und ihren Mann beaufsichtigt sie „wie ein kleines Kind“.

          Konsum geistiger Getränke: Martini, Cognac, Kümmelschnaps (der einen furchtbaren Kater stiftet), Bier, Weißwein, Marc, Armagnac.

          Wen interessiert schon der Täter?

          Zwei Brüder heiraten zwei Schwestern, damit fängt das ganze Elend schon an. Vielleicht sogar schon etwas zuvor, als der eine Brautwerber den Verlobten derjenigen Schwester, auf die er ein Auge geworfen hatte, aus dem Weg räumt. Es ist ein Buch über eine gierige Generation und ihre besseren Eltern und Kinder, ein Roman über eine Großmutter, die sich schützend vor ihre unverdorbenen Enkel stellt oder diese wenigstens rächt, wenn sie von deren moralisch laschen Eltern ohne Zögern geopfert werden - der Schulterschluß über die mittlere Generation hinweg rührt, aber dass er überhaupt notwendig wird, ist ein Offenbarungseid. Maigret, so scheint es, ist keineswegs der einzige, der dabei zornig wird - sein Autor ist es schon lange.

          Lieblingssatz: „Und Sie glauben, das sei ein Hinderungsgrund? ... Ich bin nie so verliebt gewesen wie mit sechzehn Jahren, und wenn ich eine Dummheit hätte begehen müssen, dann hätte ich es bestimmt in diesem Alter getan.“

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