https://www.faz.net/-gr3-103vz

Maigret-Marathon 22 : Maigret verliert eine Verehrerin

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit (siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde und Maigret-Marathon: Alle Folgen).

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass er Schuld auf sich geladen hat, stellt Maigret schon früh in diesem Roman fest: Hat er nicht die junge Frau, die da Tag für Tag in seiner Dienststelle aufkreuzte und nach ihm fragte, irgendwann ebenso lästig wie lächerlich gefunden? Und ihre dringende Bitte um ein Gespräch ausgerechnet an dem Tag ignoriert, an dem sie wenig später zu Tode kam? Dieser Fall jedenfalls steht unter keinem guten Stern. Und es gibt nichts, was Maigret tun kann, um dies zu ändern

          Die Handlung in einem Satz: Eine Klientin wird ermordet, und Maigret dringt tief in die Geheimnisse eines heruntergekommenen Mietshauses ein, um ihren Mörder zu finden.

          Spielt in: Paris

          Neues über Maigret: Verabscheut Treppen. Und ist ein „äußerst prüder Mensch.“.

          Und Frau Maigret? Lässt durchblicken, dass es leichtere Schicksale gibt, als Frau Maigret zu sein.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Rum Rotwein, Weinbrand, Calvados, Armagnac.

          Liebe gibt's im Kino

          Schmierig - das ist das Wort, das am ehesten diejenigen zeichnet, um die es hier geht, wenigstens nach Maigrets Maßstäben. Wohin er auch kommt, der dezidiert prüde Kommissar, immer stößt er auf Laster und Ausschweifung; frühreife Mädchen stellen ihm nach, er bekommt es mit einem Sittlichkeitsverbrecher zu tun, und als er dann mal ins Kino flüchtet, um nachzudenken, sitzt neben ihm ein Paar, das ganz anderes im Sinn hat. Immerhin behält er einigermaßen klaren Kopf. Und hat hinterher die Genugtuung, dass er das Hauptschwein verhaften kann.

          Lieblingssatz: „Eines Tages hatte Madame Maigret nach einem träumerischen Blick auf ihren Mann plötzlich geseufzt und mit beinahe komischer Treuherzigkeit bemerkt: 'Ich frage mich, wieso du in deinem Leben nicht mehr Ohrfeigen eingefangen hast ...'“

          Weitere Themen

          Hoffnung im Ansicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Ansicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und non-stop Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt, und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte erklärt FAZ-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.

          Kindesmissbrauch : Kardinal Pell bleibt hinter Gittern

          Der ehemalige Finanzchef des Vatikans hat in den neunziger Jahren zwei Chorknaben in Melbourne missbraucht. Die Vorsitzende Richterin spricht von einem Prozess, der ihr Land gespalten habe

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.