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Maigret Marathon 18 : Maigret in Nöten

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          „Marsilly ('La Richardière'), April 1933“ - so steht es unter diesem Roman, der offensichtlich als Abschluss der Serie gedacht war. Dreieinhalb Jahre und 18 Bände lang hatte Simenon den Kommissar ermitteln lassen, jetzt schickte er ihn in den Ruhestand. Und Maigret, der die Altersgrenze noch längst nicht erreicht hatte, ließ sich gerne schicken - überhaupt trägt er den Roman über oft ein hartnäckiges Lächeln im Gesicht. Der Vorsatz hielt ganze neun Monate; im Januar 1934 war der nächste „Maigret“ fertig.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann treibt leicht verletzt im Hafenwasser, und als Maigret, der demnächst in den Ruhestand gehen soll, in diesem Fall ermittelt, erweist sich das Opfer ihm gegenüber als förmlicher Versucher.

          Spielt in: Charenton (bei Paris) und in Paris.

          Neues über Maigret: Endlich erfahren wir seinen Vornamen - er lautet „Jules“. Er hat keine Kinder; eine Tochter starb, als sie noch ganz klein war. Gegenwärtig bewohnt das Ehepaar Maigret eine Wohnung im Boulevard Edgar-Quinet.

          Und Frau Maigret? Bereitet schon mal den Umzug an die Loire vor, in einen Ort zwischen Meung und Tours.

          Konsum geistiger Getränke: Weißwein, Bier, Enzian, Cognac. Den angebotenen Champagner lehnt er ab.

          Unverschämtheit, Launen, Wut

          Armer reicher Mann, so könnte man die Sache zusammenfassen. Oder, etwas länger: Was mit zwei Jugendfreunden passiert, wenn der eine bleibt, was er ist, der andere aber schwer reich wird, und der Reiche dann auch noch mit der Frau des Armen ein Kind zeugt. So jedenfalls präsentieren sich die altgewordenen Schiffer vor Maigret, der die Launen, die Wutausbrüchen und Unverschämtheiten des Reichen interessiert studiert, ohne den ewig betrunkenen Armen aus den Augen zu lassen. Ungeschoren kommt keiner davon. Außer Maigret.

          Lieblingssatz: „Maigret verzog keine Miene, aber innerlich jubelte er: Zum ersten Mal seit langem hatte er jemanden vor sich, der es wirklich wert war, dass man ihn näher kennenlernte.“

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