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: Männer in Halbtrauer

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Der größte Tag seines Lebens sollte auch der härteste werden. Bodo ist zwölf Jahre alt. Die grünäugige Monika hat beim Schützenfest mit ihm getanzt, und er, der schon wochenlang schüchtern von ihr träumte, schießt ihr eine Rose. Als er sie mit Herzklopfen überreicht, sagt das Mädchen nur einen Satz: ...

          Der größte Tag seines Lebens sollte auch der härteste werden. Bodo ist zwölf Jahre alt. Die grünäugige Monika hat beim Schützenfest mit ihm getanzt, und er, der schon wochenlang schüchtern von ihr träumte, schießt ihr eine Rose. Als er sie mit Herzklopfen überreicht, sagt das Mädchen nur einen Satz: "Die ist ja gar nicht echt" und geht.

          Diese Urszene wird das Leben von Bodo Morten begleiten. "Ihr Problem ist das Weib", sagt ihm einmal eine Therapeutin, viele Jahre später. Und viele Seiten später. Der Schriftsteller Frank Schulz hat Bodos Leben erfunden und in seiner "Hagener Trilogie" erzählt. Nun ist der abschließende dritte Teil erschienen, "Das Ouzo-Orakel", sein konsequentester, bösartigster Roman. Schulz ist von einem Pop- und Kneipenliteraten zum großen Sonderfall der deutschen Literatur geworden. Er hat einen gigantischen Entwicklungsroman in drei Teilen verfaßt, an dessen Ende die Demontage der klassischen Kerle-Männlichkeit steht. Das ist so glaubwürdig und so erschütternd nur, weil der Autor sie eigentlich liebt. Bei ihm wird gesoffen, gevögelt und gequalmt, ein paar Schlägereien gibt es auch und eine, so heißt das hier, "Sexualverschwörung".

          Sein Erstling "Kolks blonde Bräute" aus dem Jahr 1991 war die Trinkernovelle um einen Postboten, der dem Traum von Spontansex mit der schönen Blondine an der Tür hinterherradelt. Erzähler Bodo überhöht das reichlich sinnfreie Studenten- und Skatbrüderleben seiner Freunde zu einem geheimnisvollen Reigen um Sex und Eifersucht. Es gibt auch einen Geschlechtsakt, da werden Dinge wie "mach mich tot" geschrieen, und im Hörbuch hat Sprecherin Marion von Stengel - die deutsche Stimme von Angelina Jolie - ihre Eignung für die Pornobranche nun wirklich bewiesen.

          Sex am Abgrund

          Das könnte man als kraftstrotzenden Machismo auffassen, doch mehr könnte man Schulz nicht verkennen. Die Männerposse gerät in eine perspektivische Verwirrung, der Erzähler wird unzuverlässig und erregt den Verdacht, all die unerhörten Dinge seien nur seinem Wunschdenken entsprungen. Seiner Sehnsucht nach einem rauschhaften, ekstatischen Moment.

          Im zweiten Teil "Morbus fonticuli" versucht Bodo es bürgerlich, mit fester Beziehung und halbwegs festem Job. Doch die "geile Bärbel" kommt dazwischen. Auch sie ist zunächst Anlaß für sehr klassische Männerträume: Ganz oben auf der Hamburger Köhlbrandbrücke kommt es zum Sex 54 Meter über Normalnull, "hinterrücks aufgespießt klemmte Bärbel quer zwischen der Notreling und dem Brückengeländer und starrte schreiend in die klaffende Tiefe". Und bald darauf scheitert der Sexprotz erst richtig, sein Leben gerät so sehr aus den Fugen, daß er sich nackt bis auf Gummistiefel und einen Motorradhelm in die Tiefe einer abgelegenen Grube schaufeln möchte.

          Von diesem Punkt, an dem es scheinbar nichts mehr zu sagen gibt, kann eine Erzählung zu wahrer Größe ansetzen. Das ist Frank Schulz jetzt gelungen.

          Mit dem Beginn des "Ouzo-Orakels" hat Bodo Scheidung, psychiatrische Therapie und Alkoholentzug schon hinter sich. Er beschreibt das schnörkel- und illusionslos so: "Arbeitslosigkeit, Doppelleben, Suff, Klapsmühle, Scheidung, Auswanderung." Seit drei Jahren lebt er als Einsiedler am Ionischen Meer und hält sich von Frauen und Alkohol fern. Seine Tage folgen einem strengen Stundenplan, er schwimmt, liest, dichtet und schläft am Strand. Er ist ein Einsiedler mit Flachbildschirm, der zur Kontemplation den Strand harkt, die Parodie eines Zen-Buddhisten.

          Bodo im Sturzflug

          Abends in der Taverne entfaltet sich sein kleiner sozialer Kosmos. Er besteht in den zehn Sommertagen, von denen das Buch erzählt, aus ein paar Dorfbewohnern, deutschen Aussteigern und Urlaubern. Vor allem dem Esoteriker Sven und Bodos Freundinnen Monika und Karin, die gerade zu Gast sind. Die Bakchen nennt er seine Freundinnen, und in sieben "Gesängen" wird der Roman erzählt, der sich mehr oder weniger versteckt an Homer, Nietzsche und Horkheimers "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" anlehnt. Und, natürlich, an der griechischen Sauf- und Urlaubskultur. Schulz' exzessive Detailverliebtheit entzündet sich meist am Alltagswahnsinn, selten wurde er so gut beschrieben. Als die Runde lernt, daß "Xenos" im Griechischen sowohl Gast als auch Fremder bedeute, murmelt einer der Expatriierten bedeutungsschwer: "Det is, det find ick, weeß icke, det ist einfach - ich mein, hey!"

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