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Ludwig Fels: Die Parks von Palilula : Manche Frauen sind direkt von Gott geschaffen

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Bild: Verlag

Uns ist ein Kind geboren: Mit seinem Tagebuch über die Parks von Wien-Palilula hat Ludwig Fels eine Art Weihnachtsgeschichte und ein inniges Glaubensbekenntnis verfasst.

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          Dieses Buch ist vieles auf einmal: Tage- und Erinnerungsbuch, Chronik der laufenden Ereignisse und Medium der kritischen Selbsterforschung. Vor allem aber ist es eine grenzenlose, überschäumende, hingebungsvolle Liebeserklärung. Die Liebe des Autors – ganz hemmunglos darf man vermuten, dass das „Ich“ dieses Tagebuchs mit seinem dreiundsechzigjährigen Verfasser Ludwig Fels identisch ist – gilt einer atemberaubenden Schönheit: „Ihr perfekt proportionierter Kopf mit dem geringelten Haaransatz an den Schläfen ist von einer Ästhetik, die mich glauben lässt, dass ein paar Menschen direkt von Gott erschaffen sind. Der Rest sind Auftragsarbeiten, die an irgendwelche müden Engel oder gelangweilte Teufel vergeben wurden.“

          Menschliche Anmut gerät so zum unmittelbaren Gottesbeweis. Ludwig Fels wird nicht müde, die Vorzüge seiner großen Liebe zu preisen, ihren leichten Milchgeruch und den dunkelgoldenen Glanz ihrer Haut, ihre weißen Zähnchen und die Konzentration, mit der sie sich auf wackligen Kinderbeinen hält. Denn das ideale Wesen ist keine Diva, kein Filmstar und kein hochbezahltes Model.

          Biblisches Wunder

          Udoka heißt dieses Geschöpf, das mit der Plötzlichkeit eines biblischen Wunders den Alltag des Ich-Erzählers verändert. In der Sprache seiner nigerianischen Mutter verheißt der Name Gesundheit und Stärke. Ludwig Fels glaubt fest daran, dass sich das Versprechen der Namensgebung erfüllt, dass das afrikanische Baby, noch in Windeln gewickelt und auf schäbigem Teppichboden liegend, zu einem kräftigen und glücklichen Menschen heranwachsen wird. Die Voraussetzungen dafür sind freilich nicht gut.

          Udokas Mutter, die stets nur mit der Initiale „B.“ genannt wird, ist mit einem Flüchtlingstransport nach Europa gekommen; in Wien wartet sie auf die Anerkennung als Asylbewerberin. Dort trifft sie an einer Straßenkreuzung auf den mehr als doppelt so alten Ludwig. Der kümmert sich freundschaftlich um die zunächst misstrauische, oftmals harte Frau und ihre Tochter, die bald darauf, im September 2007 zur Welt kommt: „Ihr Gesicht war zart und wunderschön, so schön, dass ich nach keinem anderen Wort mehr suchen musste.“ Der Vater dieser kleinen Schönheit, offenbar ein Landsmann B.s, tritt so gut wie nie in Erscheinung.

          Kritisches Selbstprorträt

          So übernimmt der Erzähler mehr und mehr die Rolle eines Ersatzgroßvaters. Hingerissen verfolgt er die Entwicklung des kleinen Mädchens, holt es so oft wie möglich zu Spazierfahrten aus dem kleinen, verräucherten Laden, in dem seine Mutter Waren aus ihrer Heimat verkauft und afrikanischen Gästen Bier und Schnaps ausschenkt. Die Welt möchte der alternde Mann dem Kind zeigen und kommt doch nur in die Parks von Palilula, wie der Wiener Bezirk mit dem größten Ausländeranteil genannt wird. Sie sind schäbig und staubig, diese kleinen Parks, doch findet der Babysitter immer wieder ein Fleckchen Grün oder einen Sandkasten, in dem Udoka unbeschwert herumkrabbeln kann.

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