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Geschichten der Zukunft : Auf ins Jahr 2029!

  • -Aktualisiert am

Werden uns bald menschenähnliche Roboter regieren? Dem literarischen Nachdenken über die Zukunft sind keine Grenzen gesetzt. Bild: dpa

Wie sieht die Welt in zehn Jahren aus? Allzu düstere Science-Fiction ist hier jedenfalls nicht angesagt: Elf deutschsprachige Schriftsteller spekulieren über die Zukunft.

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          Zukunft geht immer. Dystopisch, überzeichnet, gruselig, selten optimistisch: Phantasien über das, was kommen wird, üben in technologischen Umbruchzeiten besonderen Reiz aus – obwohl die Zukunft regelmäßig von der Gegenwart eingeholt wird und selbst treffende Vorhersagen ihren Schrecken verlieren, sobald sie zur Normalität des Lebens gehören. Sie spielen mit den Ängsten und Hoffnungen der Menschen, werden beflügelt von der Unkenntnis über die zukünftige Welt und das konkrete Leben von morgen. In Berlin erfährt das Nachdenken über die Möglichkeiten der Zukunft derzeit auch institutionell hohe Aufmerksamkeit, nachdem im Herbst am Spreebogen das Futurium eröffnet worden ist.

          Anlass genug, eine Disziplin zu befragen, deren ureigener Gegenstand die Fiktion ist: Was fällt Schriftstellern zur Zukunft ein? Das wollten die Filmemacher Christian Granderath und Manfred Hattendorf wissen, die zusammen mit Stefan Brandt, dem Leiter des Futuriums, den Erzählband „2029 – Geschichten von morgen“ herausgegeben haben. Sie fanden elf deutsche Schriftsteller, bekannte und weniger bekannte, die unter der Prämisse, weder „Science-Fiction-Spektakel“ noch „dystopische Apokalypsen“ zu produzieren, ihren Zukunftsvisionen freien Lauf ließen. Einzige Vorgabe: Die Texte sollten nach Möglichkeit für eine Verfilmung geeignet sein.

          Damit ist schon das konzeptionelle Problem dieses Bandes skizziert, den der Suhrkamp Verlag als Unikat bewirbt, weil jedes Exemplar in einer anderen Umschlagfarbe erscheint. Bunt allein reicht aber nicht aus. Denn was ein guter Film werden könnte, muss noch langer kein guter Text sein.

          Bild: Suhrkamp Verlag

          Die Einfälle der Autoren anzuschauen ist durchaus interessant, und doch begegnen einem insgesamt zu viele Klischees, die man üblicherweise mit bodenständiger Science-Fiction assoziiert: digitale Lebensformen, elektronische Überwachung, Künstliche Intelligenz, die sich selbständig macht, hin und wieder ein paar Außerirdische oder etwas, das die Menschen dafür halten. Menschliche Beziehungen leiden unter der Kälte des digitalisierten Lebens, das zu Vereinzelung führt und Ängste mit falscher Perfektion zudeckt; es ist keine Welt, in der man leben möchte, der Weg zum Untergang ist nicht weit.

          Zu viele Klischees, zu wenig literarischer Glanz

          Thomas Glavinic erzählt von einem merkwürdigen Phänomen, das mit irgendeinem Etwas im Universum zu tun hat. Dabei bleibt er nahe an unserer Realität, die allmählich Risse bekommt, ohne dass jemand eine Erklärung dafür hätte. Seine leicht geschriebene Geschichte macht Lust auf mehr, was man leider nicht von jedem Text dieses Bandes behaupten kann.

          Clemens J. Setz beschäftigt sich ebenfalls mit einem diffusen Objekt, das sich plötzlich in Erdnähe befindet und das Magnetfeld beeinflusst – und offenbar auch Tiere. Die Geschichte bleibt unklar, ist aber vor allem deshalb ein zweifelhaftes Lesevergnügen, weil Setz sich mit seiner betont lockeren Umgangssprache an der Grenze des Erträglichen bewegt.

          Olga Grjasnowa erfindet eine Diktatur des gesunden Lebens in „Neu-Berlin“, das alle, die nicht steril, vegan und jung sind, nach „Alt-Brandenburg“ ausbürgert. Die Autorin hatte eine gute Idee, schreibt aber ohne Glanz. Emma Braslavsky erzählt mal tragisch, mal komisch von der tödlich endenden Liebe zwischen einer Frau und einem Hubot, der künstlich intelligenten Kopie eines Menschen. Das liest sich recht originell, solange man ihren jüngsten, sehr ähnlichen Roman „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“ noch nicht kennt. Dirk Kurbjuweit deutet eine heraufziehende Diktatur an und verlegt das Zentrum der Handlung in ein künstlich intelligentes Haus, über das die Besitzer die Kontrolle verlieren. Das ist eine spannende Geschichte, die sofort als Film vorstellbar ist, literarisch über passables Handwerk aber kaum hinauskommt.

          Diese Beispiele mögen genügen, um eine Vorstellung von der literarischen Ausrichtung des Sammelbandes zu bekommen. Das Nachwort von Reinhold Popp, in der Einführung angekündigt als faszinierender Kommentar zum Verhältnis von literarischen Zukunftsvisionen und wissenschaftlicher Futurologie, erschöpft sich in Redundanzen und Worterklärungen, die sich eigentlich von selbst verstehen. Und so wünscht man sich nach der Lektüre dieses ansprechend aufgemachten, aber nicht überzeugend umgesetzten Erzählbandes vor allem eines für die Zukunft: bessere Literatur.

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