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Buch „Cat Person“ : Wenn selbst Tinder nicht mehr hilft

Sie sehen aus wie Millenials, doch in den Köpfen herrscht oft noch Steinzeit: Roupenian thematisiert das Lebensgefühl der jüngeren Generation. Bild: Getty

Kristen Roupenian, die mit der Kurzgeschichte „Cat Person“ einen Internethit landete, versucht es nun mit einem Buch. Die arg zeitgeistigen Erzählungen darin setzen auf Drastik und Küchenpsychologie.

          Das Interessanteste an diesem Buch – man muss das leider so hart sagen, dann ist es wenigstens auch gleich aus dem Weg – ist seine Vorgeschichte. Sie beginnt Ende des Jahres 2017, als der bis dahin unbekannten Autorin Kristen Roupenian etwas nie Dagewesenes gelang: Sie sorgte dafür, dass eine literarische Kurzgeschichte zum Internethit wurde. „Cat Person“, die titelgebende Story, wurde im Magazin „New Yorker“ abgedruckt, tausendfach geteilt und millionenfach gelesen. Sie erzählt von einem verunglückten Date, von schlechtem Sex und von ungesunden Dynamiken zwischen Mann und Frau, die dafür sorgen, dass die Hauptfigur Margot lieber in den Beischlaf mit Robert einwilligt als in letzter Minute die Wahrheit zu sagen, nämlich die, dass sie jetzt vielleicht doch lieber nach Hause gehen würde. Im Zuge der damals aktuellen Metoo-Debatte traf die Geschichte bei aller sprachlichen Schlichtheit einen Nerv. Und zeigte, dass es keiner akuten Gewaltandrohung bedarf, dass Frauen sich genötigt fühlen, etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht tun wollen. Und welch rückständige Rollenbilder noch in vielen Köpfen stecken, auch wenn sie sich über Smartphones beugen. Das hat man in der Tat so noch nicht gelesen.

          Ein Bietergefecht um Millionenvorschüsse später erscheint nun das Buch „Cat Person“, und zwar gleichzeitig in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Bei der englischen Originalausgabe setzte man nicht die berühmteste Geschichte auf den Umschlag, dort erscheint die Sammlung von zwölf Kurzgeschichten unter dem Titel „You Know You Want This“ – „Du weißt, dass du es willst“. Ein Titel, der Roupenians Thema gut zusammenfasst, denn fast immer entgleitet etwas auf drastische Weise, fast immer geht es um Fremdbestimmtheit, Macht und Kontrollverlust. Die Geschichten lesen sich sehr heutig, Menschen daten sich auf Tinder und googeln Symptome, anstatt zum Arzt zu gehen. Das vielzitierte „Lebensgefühl der Millennials“, das Roupenian vielen Stimmen zufolge in der Erzählung „Cat Person“ eingefangen habe, ist stets präsent.

          Schockeffekt folgt auf Schockeffekt

          Das hätte spannend werden können – wenn da eine Autorin geschrieben hätte, die über die entsprechenden literarischen Mittel verfügt. Doch genau daran scheitert dieses Buch ziemlich krachend. Mit der ersten Geschichte geht Roupenian gleich aufs Ganze, sie beschreibt die Dominanz eines Paares über einen gemeinsamen Freund, der nach einer gescheiterten Beziehung Trost und Hilfe sucht und in eine mentale und sexuelle Abhängigkeit verfällt, aus der sich alle Beteiligten nicht lösen können. Bis es zur Katastrophe kommt, wozu es bei Roupenian allzu gerne kommt. Gut, ein Knaller zum Anfang, denkt man sich, aber leider geht das Buch ebenso knallig weiter, Schockeffekt folgt auf Schockeffekt. Es beschleicht einen bald der Verdacht, dass da etwas mit Drastik kompensiert werden soll, was die Autorin mit anderen Mitteln nicht erreichen kann. Wo man sich eine feinere Figurenzeichnung gewünscht hätte, bekommt man nur grobklotzige Psychologie und eine Menge spritzendes Blut.

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