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Katja Kessler: Frag mich, Schatz, ich weiß es besser! : Mein Mann nimmt zum Essen Strychnin

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Katja Kessler hat vor Dieter Bohlen nicht haltgemacht und nicht vor der Ikone der jungen, glücklichen Mutter. Jetzt nimmt sie ihre Ehe unter die Lupe. Was dabei herauskommt? Ein großes Lesevergnügen.

          3 Min.

          Eigentlich bräuchte jede Frau - neben dem von Virginia Woolf geforderten Zimmer für sich allein - eine eigene Kolumne. Alle zwei Wochen oder auch häufiger, je nach Bedarf. Denn so eine Kolumne erspart einem glatt Ehetherapie, Yoga und stundenlange Telefonate mit der besten Freundin, also lauter Dinge, für die neben Beruf, Ehe und Familie sowieso nie Zeit ist, weil man als Frau ja schon jede freie Minute mit seinem schlechten Gewissen verbringt. Damit macht „Frag mich, Schatz, ich weiß es besser!“ jetzt Schluss: Katja Kesslers gesammelte Kolumnen, früher als „Kesslers Kosmos“ in der „Für Sie“ und jetzt hintereinander, frisch von der Leber weg als Buch zu lesen.

          Denn es hat zwar nicht jede die Gelegenheit, geschweige denn die Begabung zum Kolumnenschreiben - zum Lesen der schnell getakteten, schnell gedachten „Bekenntnisse einer Ehefrau“ aber allemal. Die Wirkung dieser Zwei-Minuten-Therapien ist befreiend - nicht nur, weil es fast immer etwas zu lachen und zu nicken gibt. Katja Kessler ist, gerade weil sie stets von sich, ihrem Mann, ihren Kindern, ihrer Wohnung und ihrer Mutter erzählt, die perfekte Ghostwriterin für ihre Leserinnen. Denn gerade weil sie sich nie anmaßt, für alle zu sprechen, tut sie es.

          Ein „Bild“ von einem Mann

          Dabei ist ihr Fall ein höchst spezieller und keinesfalls zu verallgemeinernder. Das fängt mit dem Ehemann an - „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, Kessler-Leserinnen besser bekannt als „Schatzi“ -, setzt sich über vier zuckersüße (meistens jedenfalls) Sprösslinge - Yella, Caspi, Kolja und Lilly - fort und endet bei dem mit viel Energie und unverdrossen guter Laune, aber vergleichsweise geringer Hoffnung betriebenen Versuch, das Leben als Frau, Mutter und Gattin mustergültig hinzukriegen. Das Geheimrezept, wie es jetzt in Buchform vorliegt, lautet: Humor, Selbstironie und Durchhaltevermögen.

          Dass Katja Kessler, promovierte, aber nicht ausübende Zahnärztin, frühere „Bild“-Gesellschaftskolumnistin, Bohlen-Biographin und Verfasserin der Bestseller „Herztöne“ (2007) und „Das Mami-Buch“ (2008), keine Scheu hat, Dinge beim Namen zu nennen, konnte man bereits wissen. Aber sich selbst so witzig und pointiert aufs Korn zu nehmen, gelingt nur dem, der eine gesunde Distanz zum eigenen Ego hält. Katja Kessler nutzt die Kolumnenform - der Großteil der 83 Texte ist übrigens, anders als bei solchen Kompilationen üblich, neu und eigens fürs Buch geschrieben -, um kleinere und größere Probleme, Ärgernisse und allgemeine Reflektionen über den Wahnsinn des Alltags, vom Kampf gegen Telefonzentralen über Drogerieeinkäufe mit Kleinkindern bis hin zu dem Ärger des Göttergatten über einen nutzerentfremdeten Kaffeepott, aufzuschreiben und damit ad acta legen zu können. Die Kolumnen funktionieren wie eine Art ständig geleerter Kummerkasten - ohne dazugehörige Tante oder gar Moral von der Geschicht'.

          Alles im Griff

          Über sieben Jahre, mehrere Umzüge, Familienzuwachs und andere Krisen hinweg halten der munter-unverkrampfte Ton und lässige Stil der Einträge - und bezeugen damit ganz beiläufig die innere Ausgeglichenheit ihrer Verfasserin. Katja Kessler betrachtet das Scheitern im Alltag nicht als Katastrophe, sondern nutzt es als Anlass zur Kolumne - mit deren Hilfe sich ihre Leserinnen dann ebenfalls den Stachel aus dem eigenen Fleisch ziehen können. Und weil es immer lustig zugeht, tut das gar nicht weh. Zumal die Auftaktsätze haben oft Talent zum Aphorismus: „Gestern war einer dieser Tage, an denen ich verstanden habe, warum Frauen ihren Männern Strychnin ins Essen rühren.“ Oder: „Zugegeben: ich bin eine Mischung aus Bequem-Tier und Hauruck-Hausfrau.“ Sehr schön auch: „Der ultimative Elchtest für eine Beziehung ist ein gemeinsamer Umzug. Da entscheidet sich: Liebt er dich, oder will er dich nur entsorgen?“ Wenn hier jemand - außer Kai Diekmann himself natürlich (“Schatzi ist ja Masochist und liest tatsächlich alles, was ich schreibe“) - Pate gestanden hat, so sind es schlagfertige Erfolgsautorinnen wie Plum Sykes oder Candace Bushnell.

          Nichts, aber auch gar nichts ist Katja Kessler heilig, nicht sie selbst und schon gar nicht Schatzi. Das lässt tief blicken - und ganz nebenbei auch auf eine glückliche Ehe schließen, in der zwei miteinander lachen können. Aber auch sonst ist der Fundus der Erfahrung, von dem sich hier je nach Bedarf und Lebenslage profitieren lässt, reichhaltig. „Seitdem ich Söhne habe, weiß ich, wo Männer ihr Problem haben. Natürlich da, wo Frauen das vermuten. Aber auch noch eine Etage höher.“

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