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Roman von Jonathan Safran Foer : Siebenhundert Seiten wie ein Rausch

Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer Bild: Imago

Extrem ambitioniert und unglaublich brav? Vergessen Sie alles, was Sie über Jonathan Safran Foer zu wissen glauben: Sein Roman „Hier bin ich“ fegt alle Vorbehalte weg.

          5 Min.

          „Die E-Mails von Natalie Portman und Jonathan Safran Foer“, so hieß Mitte Juli ein großer Artikel im „Style Magazine“ der „New York Times“. Die Schauspielerin und der Schriftsteller hatten am Vorabend der Veröffentlichung „zweier Meilensteine“ – wie ihr Regiedebüt und sein erster Roman nach zehn Jahren Pause pathetisch genannt wurden – ihre Postfächer geöffnet und ihre E-Mail-Korrespondenz zum Abdruck freigegeben. „Wie denkst du über Freiheit? Wann wünschst du dir am sehnlichsten, du hättest mehr davon? Wann wünschst du dir am sehnlichsten, du hättest weniger?“, fragte Foer darin Natalie Portman. Er schrieb ihr: „Es ist fast 6 Uhr morgens. Die Jungs schlafen noch. Ich kann die Meerschweinchen rumoren hören. Die Leute meinen oft, dass Einsamkeit und Schreibblockaden die zwei größten Herausforderungen des Schriftstellerdaseins sind. Tatsächlich aber ist das Schwerste, sich um Meerschweinchen kümmern zu müssen.“

          Julia Encke

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und sie, die in Jerusalem geboren wurde, dachte über ihre Herkunft nach: „Ich habe gelernt, dass, wenn man etwas in Israel spielen lässt, selbst wenn es nur die Geschichte der Liebe zwischen einem Jungen und seiner Mutter ist, es als ,mutig‘ gilt. Oft wünsche ich mir, ich käme aus einem Land, das für alle Menschen harmlos erscheint, ein neutrales, unproblematisches Land. So etwas wie – ,Hi, ich bin Finnin.‘ Aber ich weiß, dass Israel – der Ort und seine Geschichten – mich beschäftigen wie nichts anderes.“

          Dazu waren wunderschöne Modefotos mit wenig Mode und viel Natalie Portman zu sehen, die neue Spekulationen darüber entfachten (und natürlich entfachen sollten), ob der E-Mail-Austausch zwischen den beiden vor zwei Jahren Grund für die Trennung von Foer und seiner damaligen Frau, der Schriftstellerin Nicole Krauss, gewesen war. Krauss und Foer waren über Jahre das Vorzeigepaar der New Yorker Literaturszene gewesen und hatten sich auch einigen Spott darüber anhören müssen, wie „wohlerzogen, gescheit, hübsch, stockkonservativ und artig“ sie angeblich waren. Foer schrieb in sein Buch: „Für Nicole, meinen Inbegriff von Schönheit“. Krauss schrieb in ihres: „Für Jonathan, mein Leben“. Aber es hielt nicht ein Leben lang.

          Zusammenbleiben wegen der Kinder?

          Was das mit dem neuen Buch zu tun hat? Jonathan Safran Foers Roman „Hier bin ich“, der in dieser Woche in der Übersetzung von Henning Ahrens erscheint, ist ein Trennungsroman. Ein Paar Anfang vierzig hat drei Söhne und genauso viele Gründe, zusammen zu bleiben, wie Gründe, sich zu trennen. So wie Foer und Krauss sich als Paar öffentlich zelebriert haben, kann man da erst mal nicht anders, als an diese beiden zu denken, und fühlt sich nicht gerade wohl dabei. Denn als 2003 „Alles ist erleuchtet“ erschien, Foers erster Roman, der von der Reise eines amerikanischen Juden namens Jonathan Safran Foer in die Ukraine erzählte, wo er sich auf die Suche nach dem von den Nazis ausgelöschten Schtetl seines Großvaters machte, waren so gut wie alle hingerissen. Man selbst aber nicht.

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