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Jonathan Franzen: Freiheit : Der unausrottbare Glaube an das tiefere Glück

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Bild: Verlag

Es ist soweit. Neun Jahre nach den „Korrekturen“ und nach 9/11 legt Jonathan Franzen seinen neuen Roman vor: „Freiheit“. Die Erwartungen sind enorm. Hat das Warten sich gelohnt?

          Als Jonathan Franzen im Mai vergangenen Jahres nach Berlin kam, um in der American Academy das erste Kapitel seines neuen Romanmanuskripts vorzulesen, wirkte der Schriftsteller, der den medialen Rummel um seine Person so sehr verabscheut wie er sein Publikum liebt, ungewohnt entspannt, ja geradezu euphorisch. Jetzt wissen wir, warum. Weil er in seinem Element war: mitten in der Arbeit an einem Roman, der sich richtig anfühlte, der ihn trug. Die „Freiheit“, die schon der Titel des neuen Werks atmet, ist nicht zuletzt die Autonomie eines Autors, der sich von allen Vorbildern und Erwartungen – außer seinen eigenen – spektakulär gelöst hat.

          Franzen hat sich immer, auch zu Zeiten, da ihm dies ökonomisch nicht leicht gefallen sein dürfte, Zeit mit seinen Büchern gelassen. In einem Literaturbetrieb, in dem viele Autoren im Zwei-Jahres-Rhythmus Buch um Buch heraushauen, sollte man ihm allein schon für diese Unabhängigkeit dankbar sein. Nach den „Korrekturen“ von 2001, die ihn zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart machten, legt der Einundfünfzigjährige nun seinen vierten Roman vor, der nicht dadurch besticht, dass sein Autor etwas Neues versuchen würde – sondern gerade dadurch, dass er uns etwas Altes, Vertrautes, Geliebtes zurückbringt: den großen Familienroman. Wie sein legendärer Vorläufer ist „Freiheit“ umfangreich und trägt einen großen, programmatischen Titel. Erneut geht es um eine Familie, die man nicht eben glücklich nennen kann, um das, was Eltern und Kinder verbindet und was sie trennt, um Treue, Krankheit und das Streben nach Erlösung. Aber Amerika hat sich seit den „Korrekturen“ verändert – und indem es diesen großen Veränderungen bis in ihre intimen, kleinen Verzweigungen Rechnung trägt, ist das Buch auch ein gültiges Porträt unserer Zeit.

          Wie ein Fotoalbum setzt der Roman ein

          Mit „Freiheit“, das am kommenden Mittwoch erscheint, hat Franzen erneut ein Buch geschrieben, das den Leser gänzlich in seinen Bann zieht – und ihn zugleich auf sich selbst zurückwirft. Denn indem Franzen uns von den Berglunds erzählt, von dem Ehepaar Walter und Patty und ihren Kindern Joey und Jessica, von ihren Überzeugungen, Sehnsüchten, Unzulänglichkeiten und Ängsten, indem er uns für die Dauer der Lektüre und noch darüber hinaus zu ihren wahlverwandtschaftlichen oder zwangsadoptierten Familienmitgliedern macht, schildert er nicht nur eine amerikanische Mittelklassefamilie, sondern erzählt uns etwas über uns selbst. „Freiheit“ ist ein hochmoralisches, doch niemals moralisierendes Buch über die Macht der Gewohnheit und die Angst vor Veränderung, und zugleich eine Meditation über die erstaunliche Anpassungsfähigkeit in Beziehungen, Nachbarschaften, Gesellschaften. Der Roman fragt, für welche Werte wir stehen, und beobachtet teilnahmsvoll, wie oft wir dabei einknicken. Und wenn das Aufrappeln besonders schwer fällt, reicht es uns die Hand.

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