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Roman „Fünf Leben“ : Von der Gewalt gegen Chinesen in Amerika

  • -Aktualisiert am

Chinatowns sind in den USA beliebt, deren Bewohner hingegen werden oftmals ausgegrenzt. Bild: AFP

Die amerikanische Schriftstellerin Jenny Tinghui Zhang erzählt in ihrem Debüt „Fünf Leben“ von Verbrechen an chinesischen Einwanderern.

          4 Min.

          Die amerikanische Geschichte verzeichnet mehrere Kapitel von gewaltvoller Un­terdrückung, von dem eines erst in jüngster Zeit der Öffentlichkeit bekannt wird: Die antichinesische Gewalt im neunzehnten Jahrhundert. Die Einwanderungsgeschichte von Chinesen ist eng verknüpft mit der Industrialisierung der Vereinigten Staaten: Vor allem für die Ar­beit in Goldminen und den Erbau der First Transcontinental Railroad kamen Zehntausende Menschen aus China in den Westen der USA. Heute ist sicher, dass ohne die chinesischen Arbeits­kräfte die Fertigstellung dieses riesigen Bau­projekts niemals möglich gewesen wäre. Doch Anerkennung für ihre Arbeit oder der Respekt der Amerikaner kam der chinesischen Minderheit im neunzehnten Jahrhundert nicht zugute. Stattdessen formte sich eine antichinesische Be­we­gung, die zu Hetze und Gewalt gegen Chinesen mobilisierte und damit erfolgreich war.

          Die erste rechtliche Manifestation dieser rassistischen Gewalt war die Ver­abschiedung des Chinese Exclusion Act im Jahr 1882, der die Einwanderung von Menschen mit chinesischer Nationalität verbot. Dieses Gesetz war das erste restriktive Einwanderungsgesetz in den Ver­einigten Staaten und markiert somit das Ende des offenen Einwanderungslandes. Doch auch schon vor dem Chinese Exclusion Act wurde antichinesische Gewalt im Land durch Rechtsprechung legalisiert. So entschied der California Supreme Court 1854 im Fall People v. Hall, dass eine Zeugenaussage von ei­nem Chinesen vor Gericht nicht ausreichend sei, um einen weißen Mann als Mörder zu überführen. Diese Entwicklung führte 1885 zu dem rassistischen Massaker von Rock Springs in Wyoming, bei dem 28 Chinesen starben und fünfzehn verletzt wurden.

          Von diesem gewaltvollen Abschnitt der amerikanischen Geschichte handelt Jenny Tinghui Zhangs „Fünf Leben“. Die Anregung, sich mit diesem Thema aus­einanderzusetzen, kam der Autorin zu­fällig, wie sie im Anhang ihres Buches schildert: Ihr Vater entdeckte auf der Durchreise in einem Ort im Nordwesten der Vereinigten Staaten ein Schild, das auf die „Chinese Hangings“ hinwies, und bat seine Tochter, den Hintergründen dieses Ereignisses nachzugehen. Das Er­gebnis der Recherche ist ein rund vierhundert Seiten starker Roman, der zu­gleich das Debüt der im chinesischen Changchun geborenen und im texanischen Austin aufgewachsenen Autorin darstellt. Über die Geschichte der antichinesischen Gewalt zu schreiben, so Zhang, sei ihr wichtig gewesen, da die in den Augen vieler Amerikaner immer noch unsichtbar sei, obwohl es weiterhin Kontinuitäten dieses Rassismus gebe.

          Ein analoger Clan von Körpern und Geschichten

          Mit „Fünf Leben“ beweist Zhang ihr Ta­lent, von einem realhistorischen Er­eig­nis und einer politischen Moti­vation ausgehend, eine gelungene Ge­schichte zu erzählen. Daiyu, die Erzählerin und Protagonistin des Romans, setzt ihre ei­gene Entführung und anschließende Ver­schleppung an den Anfang. Als sie auf einem chinesischen Fischmarkt von Verkäufern eines Diebstahls beschuldigt wird, er­scheint ein Mann und behauptet, Daiyu gehöre zu seiner Familie. Erstaunt und perplex darüber, dass ihr jemand helfen will, spielt Daiyu mit und folgt dem fremden Mann. Er fragt sie, ob sie hungrig sei, und kündigt an, sie zu einer Nudelküche mitzunehmen. „Wir gehen immer weiter, bis ich nicht mehr weiß, wo wir sind, und als wir nicht mehr weitergehen, begreife ich, dass wir die Nu­delküche nie erreichen werden.“ Stattdessen steckt der Mann Daiyu in ein Fass und überschüttet sie mit Kohle – ein grausames Mittel der Tarnung, damit sie unentdeckt mit dem Schiff nach San Francisco gebracht werden kann, um dort als Zwangsprostituierte in einem Bordell in Chinatown fest­gehalten zu werden.

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