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Prosaband von Ismail Kadare : Zwei wilde Tiere gehen sich an die Gurgel

  • -Aktualisiert am

Sie hasst das große steinerne Haus, das ihr keine Luft zum Atmen lässt: typisches Gebäude in Ismail Kadares Heimatstadt Gjirokastra. Bild: Picture-Alliance

Neues von Albaniens bekanntestem Schriftsteller: In Ismail Kadares Prosaband „Geboren aus Stein“ treten Diktatur und Literatur gegeneinander an.

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          Noch immer hat Ismail Kadare (Jahrgang 1936) nicht den Nobelpreis für Literatur erhalten. Dafür kann sich die Leserschaft freuen, dass ein neuer Band autobiographischer Prosa von ihm erschienen ist: Prosa, in der der Schriftsteller seine Kindheit und Jugendjahre in dem südalbanischen Städtchen Gjirokastra beschreibt – dem Ort, in dem auch Enver Hodscha geboren wurde.

          Der junge Ismail und sein Freund Ilir sind aufgeweckte Spielgenossen, die keinen Blödsinn scheuen. Sie wollen zusammen einen Roman schreiben, scheitern aber an ihren hochfahrenden Plänen; sie wollen reich werden, indem sie alte Bleilettern schmelzen und daraus ein paar Fünf-Lek-Münzen prägen. Reich werden sie nicht, dafür landen sie wegen Falschmünzerei für kurze Zeit im Gefängnis. Auch dies trägt zum Ruhm bei. Sie wollen eine Angebetete erobern und fassen ihr kühn unter den Rock, damit ist die Freundschaft verspielt. Die politischen Verhältnisse sind undurchsichtig. Die deutsche Besatzung ist abgezogen, und plötzlich tauchen überall aus dem Untergrund Kommunisten hervor. Sogar eine elegante Dame, „die Französin“ genannt wird, entpuppt sich als Genossin. „Selbstentschleierung“ nennt dies der Autor, der als Kind aus dem Staunen nicht herauskam. Die neuen Herrscher überzeugten nicht, die Kinder empfanden sie als Waschlappen.

          Geister und Narrendinge

          „Geboren aus Stein“ hat Kadare die vier Prosastücke überschrieben, in Anlehnung an seine 1971 erschienene „Chronik in Stein“, die sich ebenfalls mit seiner Heimat beschäftigt. Stein, das sind die gewaltigen Wohnburgen, in denen die besseren albanischen Familien leben. Die Häuser sind undurchschaubare Labyrinthe, haben Gelasse und Nebengelasse, bewohnte und unbewohnte Zimmer, gewundene Treppen, Geheimtüren und Geheimausgänge, verschattete Innenhöfe, Flure und Dielen, die ins Nichts zu führen scheinen.

          Sogar ein Verlies gehört zu diesen Häusern, ein Privatgefängnis, tief in den Berg eingelassen und nur über eine Strickleiter von oben zu erreichen. Der Kerker ist Symbol uralter Traditionen. „Manche hielten das bloß für einen Spleen, die anderen glaubten darin eine alte, inzwischen überholte Rechtsvorstellung zu entdecken: Staat und Haus existieren nebeneinander, mit jeweils eigenen Gesetzen.“

          Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare

          Die Mutter von Ismail stammt nicht aus einem solch herrschaftlichen Haus, sie fürchtet sich in den gewaltigen Mauern und hat das beklemmende Gefühl, von dem alten Haus aufgefressen zu werden. Geister gehen umher, die sich nicht bezähmen lassen, „Narrendinge“ passieren, und ein Text ist überschrieben mit „Wie Hamlet mir half, die Gespenster zu vertreiben“.

          Mit wilder Fabulierlust vermengt Kadare alte Legenden mit der Gegenwart, schaut ironisch auf die unter der Diktatur geduckte Gesellschaft und macht sich auch über sich selbst lustig als ein übermütiger Beobachter der wirren albanischen Lebensverhältnisse. Der Schriftsteller tanzte auf den Wellen, mal war er ganz oben und genoss Hodschas Anerkennung, mal war er ganz unten und erhielt Veröffentlichungsverbot.

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