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Interview : All diese Pfannkuchengesichter!

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Schriftstellerin Paula Fox: Europa besser als Amerika Bild: AP

Unsere Kultur gleitet unaufhaltsam ab und „Europa ist irgendwie besser als Amerika“, meint die amerikanische Schriftstellerin Paula Fox. Ein Gespräch mit der Autorin über den neuen Band ihrer Memoiren, Leo Tolstoi, Courtney Love und Paris Hilton.

          5 Min.

          Im Jahr 1946 reiste die dreiundzwanzigjährige amerikanische Schriftstellerin Paula Fox an Bord eines ehemaligen Kriegsschiffes nach Europa. Im Auftrag einer britischen Nachrichtenagentur besuchte sie London, Warschau, Paris, Prag, Madrid. Die Begegnungen und Erfahrungen, die sie damals machte, schildert sie in ihrem soeben im Verlag C.H. Beck auf deutsch erschienenen Werk „Der kälteste Winter“, dem zweiten Band ihrer Memoiren.

          F.A.Z.: Frau Fox, mit welchen prägenden Erfahrungen ist Ihre Generation in Amerika aufgewachsen?

          Ich war zehn Jahre alt, als die Wirtschaftskrise zu Ende ging, und insbesondere während Roosevelts Präsidentschaft lebte man mit einem Gefühl unbegrenzter Möglichkeiten, das es heute nicht mehr zu geben scheint. Der Zweite Weltkrieg hatte selbstredend große Auswirkungen auf meine Generation, aber weniger auf mich selbst, weil ich schon als Kind begriffen hatte, daß Menschen imstande sind, einander umzubringen.

          Ihr neues Buch „Der kälteste Winter“ handelt von dem Jahr, das Sie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als Journalistin in Europa verbrachten.

          Ich wollte schon immer nach Europa reisen. Ich hatte Verwandte in Spanien und war davon überzeugt, Europa sei irgendwie besser als Amerika. Das glaube ich übrigens noch heute. Ich wollte damals auch der Traurigkeit über meine Kindheit entkommen, über meine Eltern und das Fehlen von familiärer Nähe. In gewisser Hinsicht versetzte es mich in Hochstimmung, endlich in Europa zu sein, aber es dauerte nicht lange, bis ich lernte, welches Leid dort herrschte.

          Was wußten Sie vor Ihrer Ankunft in Europa über den Holocaust?

          Ich ahnte, daß in Amerika vor und während des Kriegs vieles im verborgenen blieb. Später erzählte mir mein Mann, der nach dem Krieg für die vom American Jewish Committee herausgegebene Zeitschrift „Commentary“ arbeitete, daß Roosevelt ein ganzes Schiff voller Flüchtlinge zurück in den sicheren Tod geschickt hatte. Die Zeitungen spielten das, was sie von den Vorgängen in Polen, der Tschechoslowakei und Deutschland wußten, herunter. Es gibt eine bestimmte Oberflächlichkeit in der Wahrnehmung, die mir typisch amerikanisch zu sein scheint. Hier herrscht eine Ideologie, eine religiöse Ideologie, die die Leute vor den Dingen schützt, die um sie herum geschehen.

          „Der kälteste Winter“ beschreibt nicht nur den Winter 1946 in Europa, sondern kann auch als Metapher verstanden werden. In welchem Klima leben wir heute?

          In einem äußerst ungesunden, würde ich sagen. Die Unruhen in Paris, die Schwierigkeiten mit dem Islam, die Hurrikane, die Armut der Schwarzen: alles unbewältigt und irgendwie wie eine Katerstimmung nach Jahren der Ignoranz. Man hat mit den nötigen Reformen überhaupt noch nicht angefangen.

          Wann sind Sie zur Pessimistin geworden?

          Ich bin weder Pessimistin noch Optimistin; ich habe glückliche und traurige Tage. Es ist natürlich einfach, den eigenen Verfall mit dem des Zeitalters, in dem man lebt, zu verwechseln. Man hat immer das Gefühl, seit der eigenen Jugend habe sich alles verändert, und selbstverständlich ist es das Wesen der Zeit, alles zu verändern. Dann wieder hat man den Eindruck, daß sich gar nichts ändert.

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