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Ingeborg Bachmann: Kriegstagebuch. Mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann : Der schönste Sommer meines Lebens

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Bild: Suhrkamp

Das Kriegsende hat die Achtzehnjährige nicht als Katastrophe erlebt, sondern als Befreiung: Erstmals liegen Ingeborg Bachmanns „Kriegstagebuch“ und Jack Hameshs Briefe an sie als Buch vor.

          Vor zwei Jahren erschien unter dem Titel „Herzzeit“ der Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Zu diesem Dokument der Freundschaft zwischen der jungen österreichischen Lyrikerin, die Gedankliches mit dem poetischen Bild so wirkungsvoll ins Gleichgewicht brachte, und dem Dichter des jüdischen Czernowitz, der in seiner „Todesfuge“ wie niemand nach ihm das Inferno der Vernichtungslager beschwor, gibt es ein Vorspiel. Das zeigt nun das gerade erschienene „Kriegstagebuch“ Ingeborg Bachmanns.

          Im Frühsommer 1945 wird die Achtzehnjährige ins Büro der in Kärnten stationierten 8. Britischen Armee (ins Büro der Field Security Section) in Hermagor gerufen, wo sie Jack Hamesh nach ihrer Vergangenheit in der nationalsozialistischen Jugendorganisation des BdM befragt. Ihr Tagebuch beschreibt ihn so: Er „ist klein und eher hässlich, Augengläser, spricht fließend deutsch mit einem Wiener Akzent“. Wer ist dieser Jack Hamesh? Er entkam, wie er ihr später erzählt, im Jahre 1938 mit einem Transport jüdischer Kinder gerade noch rechtzeitig nach England; seine Eltern dagegen entgingen nicht der Deportation in die Todeslager.

          Ganz verdreht und glücklich

          Aus der Wiederbegegnung Ingeborg Bachmanns mit ihm entwickelt sich jetzt eine Freundschaft, die sie „ganz verdreht und glücklich“ macht. Verwandte und Nachbarn beginnen über sie zu reden: „Sie geht mit dem Juden.“ Aber sie hält unbeirrt an dieser Freundschaft fest. „Das ist der schönste Sommer meines Lebens.“ Freilich nicht nur Jack Hameshs wegen: „für mich ist Frieden, Frieden! . . . Ich werde studieren, arbeiten, schreiben!“ Hier schon entwirft sie ihr eigenes Lebenskonzept, an dem weiter gehende Erwartungen Hameshs scheitern müssen.

          Mit Erich Fried, der wie er im letzten Augenblick aus Wien nach England entkommen konnte, teilte Hamesh sein Bekenntnis zur politischen Linken. So macht er seine Freundin mit Karl Marx’ „Kapital“ bekannt. Wo aber Erich Fried selbst aus der kleinsten politischen Nachricht wenigstens noch ein poetisches Fünkchen schlug, blieb Hamesh ganz rezeptiv. Dennoch treffen sich die junge, gerade erst sich entpuppende, von Rilke und Baudelaire faszinierte Dichterin und der Wiener Jude in beglückender Weise, unterhalten sich über Bücher von Thomas Mann und Stefan Zweig, Schnitzler und Hofmannsthal, über die im „Dritten Reich“ verfemte europäische Literatur. Ingeborg Bachmann erlebt das Kriegsende nicht als Katastrophe, sondern als Befreiung.

          Nur in Auszügen erhalten

          Herausgegeben hat das zweiteilige, wohl nur auszugsweise erhaltene Kriegstagebuch zusammen mit „Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann“ Hans Höller, der auch an der Edition ihres Briefwechsels mit Paul Celan beteiligt war. Schon der erste, bis ans Kriegsende führende Teil des Tagebuchs gibt eine Anschauung von der Distanz, in der die Dichterin, die gerade die Matura bestanden hatte, zu den „Fanatikerinnen“ ihrer Umgebung, zu den Durchhalteparolen, zu der ganzen „Schafherde“ der nationalsozialistisch Indoktrinierten stand. Der Widerwille verstärkt sich noch im zweiten Teil des Tagebuchs, als nach Kriegsende die Denunziation auf der Tagesordnung steht: „Es zeigt jetzt überhaupt einer den anderen an und besonders die Nazis untereinander, weil jeder denkt, er kann sich damit aus der Affäre ziehen.“ Auch vor diesem Hintergrund erklärt sich das Befreiungsgefühl und die Freundschaft zu einem jüdischen Besatzungssoldaten.

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