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Ingeborg Bachmann: Kriegstagebuch. Mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann : Der schönste Sommer meines Lebens

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So wird das Tagebuch zum literarischen Spiegel eines hoffnungsvollen Aufbruchs. Die Briefe von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann – ihre Briefe sind offenbar nicht erhalten – nehmen einen weitaus größeren Teil des Buches ein. Sie sind das bewegende Zeugnis für ein eher tragisches Missverständnis. Hamesh meint in der geborenen Klagenfurterin eine Art wahlverwandten Einsamkeitsgefühls entdeckt zu haben. Durch solche Gemeinsamkeit, durch die Freundschaft überhaupt fühlt er sich wieder in seiner österreichischen Heimat akzeptiert, ja aufgenommen, auch wenn ihn gelegentlich das Trauma des Verbannten, das Trauma der Ausweglosigkeit wieder überfällt: „Meine Zukunft kommt mir manchmal vor wie ein grauenhaftes Labirynt.“ (Aus gutem Grund hat der Herausgeber Unzulänglichkeiten in der Schriftsprache dessen, der aus dem deutschen Sprachraum vertrieben wurde, stehenlassen.) Je weiter sich die Lebensläufe der Briefpartner voneinander entfernen, umso eindringlicher werden seine Liebesbeschwörungen. Am 6. Juli 1946 schreibt er aus Neapel: „Die Tage mit dir liebe Inge waren Tage wie ich sie noch selten im Leben erlebt hatte.“ Aber die Gemütsverfassung kann schnell umschlagen. Am 24. Juli konstatiert er „eine völlige Entwurzelung, eine Haltlosigkeit wie ich sie nie zuvor miterlebt hatte“.

Ein Brief aus Tel Aviv

Dieser Brief kommt aus Tel Aviv, Jack Hamesh ist in Palästina eingetroffen. Er hat Israel als neue Heimat gewählt, ohne seine Liebe zur Klagenfurterin aufzugeben. Aber diese Liebe sucht doch zunehmend Zuflucht in Erinnerungen. In Tel Aviv nimmt er Gelegenheitsarbeiten an, aber, so heißt es im Brief vom 16. Juli 1947: „Ich lese, lerne, besuche Konzerte, gehe ins Kino, lache und tanze des öfteren.“ Jack Hamesh ist zum Bürger Israels geworden. Und von erstaunlicher Konsequenz ist diese Einbürgerung. Der Marxist von einst hat sich zum Zionisten gewandelt. Der Zionismus gebe die einzige Antwort auf „die Wurzellosigkeit und Heimatlosigkeit der Juden“. In dieser optimistischen Gewissheit scheint die tragische Spur in Hameshs Leben zu enden. Doch ist dieser Brief zugleich das (vorläufig?) letzte Lebenszeichen von Jack Hamesh, das wir besitzen.

Für Ingeborg Bachmann bleibt diese fast zweijährige Freundschaft ein Intermezzo; andere Freundschaften, mit bedeutenderen Partnern, werden folgen. Aber ihre frühe, tapfere Solidarisierung mit dem vom Hitlerregime verjagten Juden ist ein ungewöhnliches Beispiel menschlichen Rechtsbewusstseins am Anfang eines dichterischen Wirkens von großer Nachhaltigkeit. Klagenfurt wusste, was es zu seinem eigenen Ruhm dieser Dichterin verdankte. So wurde der Ingeborg-Bachmann-Preis und -Wettbewerb ins Leben gerufen. Der Mitbegründer und Moderator dieses Wettbewerbs, Marcel Reich-Ranicki, stand am 25. Juni 1986 an ihrem Klagenfurter Grab und hielt im Kreis der Schriftsteller, Verleger, Lektoren und Juroren zu ihrem sechzigsten Geburtstag die Gedenkrede – der dem Warschauer Getto Entkommene der Freundin jüdischer Verfolgter. Hier schloss sich ein Kreis.

Eine wirkliche Entdeckung

Unbedingt informieren lassen sollte sich der Leser durch das vorbildliche Nachwort des Herausgebers, zumal es wichtige Hinweise auf die Verflechtung des Tagebuchs ins Gesamtwerk Ingeborg Bachmanns gibt, sowohl auf die Jugenderzählung „Das Honditschkreuz“ (1943) als auch auf spätere Werke wie – beispielsweise – das Fragment „Der Fall Franza“ (1964) oder den Roman „Malina“ (1971). Alles in allem: Ediert ist hier eine wirkliche Entdeckung.

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