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Im Gespräch: Henning Mankell : Sprechen wir bald alle Chinesisch, Herr Mankell?

„Ich werfe mit Worten”: Henning Mankell Bild: Burkhard Neie

Henning Mankells neuer Roman beginnt mit einem Massenmord in der schwedischen Provinz und wird zu einem politischen Thriller über Chinas Rolle in der Welt. Ein Interview über Mao und Mugabe, das Böse im Menschen und sein Feindbild Amerika.

          7 Min.

          Vor dem Hotel Sacher schüttet es. Henning Mankell aber steht die Farbe im Gesicht: Eben erst ist er aus Malawi nach Wien gekommen. Heute, erzählt er, erscheint sein neuer Roman „Der Chinese“ in sieben Ländern gleichzeitig. Der Autor ist selbst ganz beeindruckt.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ihr Buch beginnt mit einem Massenmord in der schwedischen Provinz. Doch je weiter man liest, wird daraus ein politischer Roman über Chinas Rolle in der Welt. Waren Sie überrascht, wie aktuell er wirkt, so kurz vor den Olympischen Spielen?

          Das Timing ist mir fast zu gut. Eigentlich sollte das Buch schon im Herbst erscheinen, aber ich war ein bisschen spät dran. Zudem gab es zu viele internationale Verlage, die das Buch noch am Tag der schwedischen Veröffentlichung herausbringen wollten. Das hat Zeit gekostet. Als mir dann klar wurde, wie nah wir an die Olympischen Spiele rückten, dachte ich: O nein, die Leute werden sagen, dass es geplant war. War es nicht. Ist aber auch egal. Bei der Frage, welche Rolle China künftig spielen wird, sind die Spiele nur eine Fußnote. Wir sprechen hier von der Zukunft. In der nächsten Generation werden wir chinesische Wörter in unserer Sprache haben. Wir sitzen hier mit fünf Menschen im Restaurant. Bald wird einer darunter immer ein Chinese sein.

          Was gab Ihnen den Anstoß zur Geschichte über den „Chinesen“?

          Der Gedanke daran kam mir zum ersten Mal vor etwa sechs Jahren, als China sich entschloss, der Regierung von Moçambique Geld zu geben, um eine Fabrik bauen zu dürfen. Sie brachten die Bauarbeiter und sogar ihren eigenen Zement mit. Allerdings beschäftigten sie auch afrikanische Arbeiter, und irgendwann kamen Gerüchte über einen Streik auf: Die Afrikaner protestierten, weil die chinesischen Vorarbeiter sie so schlecht behandelten und sogar schlagen würden. Das wurde aber vertuscht. Da fragte ich mich zum ersten Mal: Kann es sein, dass China im Kampf um die enormen Ressourcen Afrikas einen neuen Kolonialismus an den Tag legt? Von dort ging die Geschichte los, das war meine Frage.

          Haben Sie eine Antwort darauf gefunden? Ihr Buch lässt das offen.

          Ich hätte etwas falsch gemacht, wenn ich darauf eine eindeutige Antwort geben würde. Ich finde es einerseits gut, wie die Chinesen sich in Afrika engagieren, weil es die westliche Welt herausfordert. Andererseits müssen wir sehr genau hinsehen, was sie dort tun.

          Sie fordern oft, dass Afrika mehr Geld braucht. Genau das gibt China dem Kontinent, es reicht aber offenbar nicht, um stabile Verhältnisse zu erreichen. Der Westen hat die Entwicklungshilfe immer an Bedingungen geknüpft.

          Es stimmt, dass die chinesische Regierung sich einen Dreck darum kümmert, was in Darfur oder Zimbabwe passiert. Manchmal sind sie gezwungen, Stellung zu beziehen, aber im Grunde kümmert es sie genauso wenig, wie sie wollen, dass der Westen sich um die Menschenrechte in China kümmert. Das ist natürlich nicht gut. Andererseits spüre ich auch viel Heuchelei. Wer würde denn auf die Idee kommen, Olympische Spiele in den Vereinigten Staaten zu boykottieren, weil die sich so wenig für Menschenrechte einsetzen? Wenn es einen terroristischen Staat auf der Welt gibt, ist das Amerika. Außerdem glaube ich, dass der Westen neidisch auf den Erfolg der Chinesen in Afrika ist. Also kritisieren wir die Chinesen hintenherum. Was für eine Heuchelei. Um mit der Bibel zu sprechen: Wir sollten uns erst um den Balken im eigenen Auge kümmern.

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