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: Ilija Trojanow reist Richard Burton nach

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Ilija Trojanow hat sich mit seinen Berichten aus Indien und Arabien sowie mit seinem Erfolgsroman "Der Weltensammler" über den großen nonkonformistischen Reisenden im britischen Staatsdienst Richard Francis Burton (1821 bis 1890, unser Foto) in die beste Tradition deutschsprachiger Reiseliteratur eingeschrieben.

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          Ilija Trojanow hat sich mit seinen Berichten aus Indien und Arabien sowie mit seinem Erfolgsroman "Der Weltensammler" über den großen nonkonformistischen Reisenden im britischen Staatsdienst Richard Francis Burton (1821 bis 1890, unser Foto) in die beste Tradition deutschsprachiger Reiseliteratur eingeschrieben. In der üppigen Ausstattung der Anderen Bibliothek legt er nun noch einmal Berichte seiner Reisen nach Indien, Arabien, Ostafrika, Nordamerika und Triest vor, die er auf den Spuren Burtons unternommen hatte.

          Die "Nachreise" wird in dem Band auch zum Prinzip der Textdarbietung. In Grün erscheinen Auszüge aus Burtons Berichten, die Trojanow in das flüssige und lebhafte Deutsch gebracht hat, das er selbst schreibt; daran oft erstaunlich organisch anschließend im gewohnten Schwarz seine Erfahrungen auf den Routen seines Idols; dazu Anmerkungen in dessen oft kauziger Manier und allerlei nützliche Zugaben von Karten, Fotos, kalligraphischen Schriftproben und kommentierten Bibliographien bis hin zu einer vollständigen Liste der Dinge, die man für solche Abenteuerreisen heute braucht; schließlich noch Burtons großes Sinngedicht "The Kasidah", dem schon Ernst Jünger eine deutsche Übersetzung wünschte, die nun Menno Aden weiß auf grün beigesteuert hat.

          Die Form der Collage macht erst ganz deutlich, was Trojanow an Burton fasziniert: vor allem eine detailbesessene Wahrnehmungslust, die sich nicht in zeitgenössische Vorurteile fügt, nicht einmal in die eigenen, und eine Liebe zur Vielfalt, die sich jeglicher Nivellierung und Missionierung widersetzte. Beliebt machte er sich dadurch bei den Vorgesetzten nicht. Als Autor glaubte er aber bis in seine letzten Tage auf verlorenem Posten in Triest gleichwohl unerschütterlich daran, dass das Wissen über das Fremde und andere durch teilnehmende Erfahrung, in der Form des Studiums, des Erleidens, Erlebens und Bewirkens erworben wird, und dass es sich lohnt, dieses Wissen ohne Rücksicht auf orthodoxe Meinungen weiterzugeben.

          Jenseits ideologischer Auseinandersetzungen über Globalisierung und neue imperiale Diskurse zeigt Trojanows tätige Rezeption, wie sehr die Wahrnehmung des Fremden bei allen Korrekturen im Kern noch immer von der Weltsicht des neunzehnten Jahrhunderts bestimmt ist, die Burton vielfältig in Frage stellte. Auch Trojanow vertraut inhaltlich wie in seinem luziden Stil auf die erkenntnisfördernde Erfahrung des mutigen Individuums, von dem jenseits standardisierter Wissensbestände wie des notorischen westlichen Besserwissens noch etwas gelernt werden kann - vor allem eine Wahrnehmung, die Fremdes in seiner Eigenheit belässt und so, durchaus nicht ohne Momente kritischer Distanz, Verständnis und Zuwendung ermöglicht.

          Wer Trojanow schon schätzt, wird auch dieses Buch (trotz einiger Zweit- und Drittverwertungen des Materials) unbedingt lesen und besitzen wollen; es eignet sich aber auch als doppelte Einführung in Leben und Werk Burtons wie ins Reisen, Denken und Schreiben Ilija Trojanows.

          FRIEDMAR APEL

          Ilija Trojanow: "Nomade auf vier Kontinenten". Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton. Die Andere Bibliothek. Herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007. 444 S., geb., 34,- [Euro].

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