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: Ich schwieg, ich schwieg

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Zigaretten werden in den Gedichten von Uros Zupan nicht geraucht, sondern abgetötet. Und Theorien sind in seiner Lyrik zum Glück nicht zu finden, auch keine die Welt verfugenden Weisheiten. Wohl aber ist hier Welt in ihrer dichtesten Form enthalten; sie spricht, ist prall und "apfelsinenfarben" - ...

          Zigaretten werden in den Gedichten von Uros Zupan nicht geraucht, sondern abgetötet. Und Theorien sind in seiner Lyrik zum Glück nicht zu finden, auch keine die Welt verfugenden Weisheiten. Wohl aber ist hier Welt in ihrer dichtesten Form enthalten; sie spricht, ist prall und "apfelsinenfarben" - und die Weisheit arbeitet sich ganz von allein durch den Nebel, der auch die Farbe der Apfelsinen hat. Manchmal leuchtet Zupans Welt auf eine so stille Art, dass sie schüchtern zu nennen wäre, fast zurückgenommen, wenn sie nicht von einem ins Uferlose gehenden Blick seismographisch verzeichnet würde.

          Diese lyrischen Begehungen sind unaufdringlich, leise, und trotz ihrer Dichte werden sie von einem am ehesten fließend zu nennenden Schweigen getragen. Selten genug ist es, dass ein Dichter die Welt schreibend so betreten kann, dass der Eindruck entsteht, diese beschreibe sich selbst durch ihn, habe die Arbeit am Gedicht über Nacht allein gemacht und ihn nur fleißig mitschreiben, teilhaben lassen an ihrer Lebendigkeit. "Und unten in der Tiefe verdichtet eine düstere Welt / ihre Sprache bis zum Schweigen." Dieser Tiefe ist es zu verdanken, dass Meister Eckhart mühelos mit Chet Baker, Morton Feldman und Van Morrison mithalten kann, sie sind gleichsam alle fähig, die "Stille" zu "trinken".

          Die Verwandlung der Welt ist hier immer verbunden mit dem klaren Blick auf den eigenen Platz in ihr. Auch wenn an der "Innengrenze des Goldes" die Seiten der Zukunft gewendet werden, klein wie er sei, heißt es bei Zupan, könne er sie nicht lesen: "Klein wie ich bin, krieche ich / ruhig unter das Lid der Zeit." Die Zeit ist immer wieder ein Orientierungspunkt in diesen Gedichten, mitten im Alltag verwandelt sich der Garten jeden Augenblick lang in eine Wolke. Der Verwandlung des Gartens folgt schnurstracks die Verwandlung der Wolken. Und in den Zwischenbereichen dieser Topographie findet sich ein ganzes Archiv, in dem das Einfachste erzählte Welt wird; Bücher werden weltweisende Öffnungen, sind "Tore in andere Welten", während die Zeit wieder Zeugin ist: "aufgebettet und glatt". Fast scheint sie in dieser Lyrik berührbar zu sein, was damit zusammenhängen mag, dass Zupan alles greifbar macht, die Wörter selbst haben haptischen Charakter, und man möchte mit ihm warten auf den "Regen, Regen, Regen - raunendes Heil", aber auch auf "Natasa", die im Liegen und Schlafen ersehnt wird.

          Dieser Gedichtband hat sich nichts anderes zur Aufgabe gemacht als die seit langem betörend leichtfüßigste Archivierung fliegender Lebens- und Weltmomente. Es sind Blickniederschriften, in denen Natur und Augen an einer Art Sehbericht weben, Zwiesprache wird gehalten, als befinde sich alles in einem Zeitraum, als sei auch der Leser nur ein Mitarbeiter an dieser Sprache. Die Dauer wird im Vergänglichen gefunden auf eine derart unangestrengte Weise, dass sich nicht einmal dann Trauer einstellt, wenn die Lebenshypothesen ins Minus geraten und es heißt: "Immer ein Hoffnungsschimmer. / Schwarzweiße Zukunftsnegative umspulen, / die vielleicht nie zu Fotos werden."

          Die Syntax fließt, ist leicht, dem "Dunkel" zum Trotz, das natürlich auch in diesen Gedichten lauert und in denen, wie es der bis in alle Satz- und Klangnuancen fein arbeitende Übersetzer Fabjan Hafner schreibt, glücklicherweise alle slawische Schwermut fehlt. Es scheint, als finde sich in diesen Gedichten eine Art "Brandung" der Stille, durch die das Feste und Schwere einfach hindurchschreiten. Es überwiegt aber das feinfühlig Durchlässige, vor allem dann, wenn die "Glut" die Wörter umgibt und eine "unsichtbare Wärme" da ist. Wenn die Wörter in den Schnee gelegt werden, "sinken sie zu Boden, / legen ihr Ohr an die Erde und lauschen. / So rufe ich den Frühling."

          Bewegung wird nicht sportlich verstanden, niemand geht hier ins Fitness-Studio, aber dafür ertragreich "von Leben zu Leben". Das sei gut, heißt es in dem titelgebenden Gedicht "Immer bleibt das Andere". Und das scheint vor allem den Schriftsteller selbst zu betreffen, ein äußerst langweiliger Beruf sei das, man verwende seine Hände immer nur zum Tippen. Uros Zupan möchte man zurufen: weitermachen!

          MARICA BODROZIC

          Uros Zupan: "Immer bleibt das Andere". Gedichte. Aus dem Slowenischen übersetzt von Fabjan Hafner. Hanser Verlag, München 2008. 96 S., geb., 14,90 [Euro].

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