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: Hochgräfin Krimskrams

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Alles ist erlaubt, was der Witz nur immer gebären mag: sprechende Ratten, die Urkunden fressen, ein Soldat, der den Kragen so steif und hoch trägt, dass er nur noch den Himmel sieht, die heilige Unnütziata, die wirklich überhaupt nicht gebraucht wird, eine Insel, auf der sich die Schattenseiten aller ...

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          Alles ist erlaubt, was der Witz nur immer gebären mag: sprechende Ratten, die Urkunden fressen, ein Soldat, der den Kragen so steif und hoch trägt, dass er nur noch den Himmel sieht, die heilige Unnütziata, die wirklich überhaupt nicht gebraucht wird, eine Insel, auf der sich die Schattenseiten aller Dinge treffen, schließlich ein Loch, durch das ein Dutzend junge Mädchen ins Paradies zurückfinden, aus dem Prinz Bonus den bösen Pater Pecavi durch den Schornstein hinausgejagt hat.

          Alle Motive der Romantik sind hier versammelt: flüsternde Springbrunnen, sehnsüchtige Turmbläser, des Teufels Großmutter, ihre Kaffeehaube und eine blaue Blume mit einer Tauperle im Kelch. Die Erzählerhand streut massenhaft zauberischen Krimskrams aus, lauter bunte Klötzchen, die dann nicht mehr gebraucht werden, und nur weil irgendwann ja doch Schluss sein muss, heiraten Prinz Bonus und Gritta Hochgräfin von Rattenzuhausbeiuns nach beinahe dreihundert spaßigen Seiten. Das Paradies bricht mithin aus. Anstelle der klassischen Schlusswendung "Und wenn sie nicht gestorben sind" steht allerdings am Ende die ironische Abwandlung: "Deswegen starb auch niemand außer denen, die so krank waren, dass es nicht anders ging."

          Clemens Brentano hat derlei bereits viel besser gemacht, aber das darf man seiner Nichte Gisela von Arnim nicht übelnehmen. Sie hat diesen Märchenroman mit sechzehn oder siebzehn verfasst, offenbar tief beeindruckt von ihrem Onkel Clemens, ihrer Mutter Bettina, ihrem Vater Achim und den vielen literarhistorisch bedeutenden Geistesverwandten von Novalis bis zu den Brüdern Grimm. Sie schreibt zwar durch und durch epigonal, so dass man alles irgendwo schon einmal gelesen zu haben glaubt, aber auch wieder erfrischend und entzückend in ihrem jungmädchenhaften Tief- und Eigensinn. Trotzig wirft sie die Welt nieder mit der Kraft ihrer Phantasie. Frech, antiautoritär, anarchisch und entschieden areligiös lässt sie ihren Launen freien Lauf, aber weil das ewige Witzereißen sie selbst wie auch den geduldigen Leser ermüdet, grummelt ein melancholischer Grundton durch das ganze zwitschernde Konzert.

          Die Überlieferungslage ist recht verworren. Gisela von Arnim ist zwar wohl die Autorin, aber ihre berühmte Mutter war zumindest Ratgeberin und Helferin, weshalb sie hier als Autorin mitaufgeführt ist. Es sind Druckfahnen erhalten mit Korrekturen von ihrer Hand. Warum der Roman damals - das Titelblatt des Fahnenexemplars trägt die Jahreszahl 1845 - nicht erschienen ist, ist unbekannt. Im Jahre 1926 kam er an versteckter Stelle erstmals heraus: als Ergänzungsband zu den "Sämmtlichen Werken" Bettina von Arnims: Aber erst jetzt, als hübsches und handliches Manesse-Bändchen, bekommt der Roman eine wirkliche Chance. Zumal das Nachwort von Rolf Vollmann die philologischen und literarhistorischen Informationen mit so viel Eleganz, Lachlust und Würze vorbringt, dass man sich rasch zu Hause fühlt bei Gisela und ihrer berühmten Familie.

          HERMANN KURZKE.

          Bettina und Gisela von Arnim: "Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns". Märchenroman. Nachwort von Rolf Vollmann. Manesse Verlag, Zürich 2008. 301 S., geb., 17,90 [Euro].

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