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: Himmlisch unabhängig

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Ein schönes Frühstück mit der Familie, Schokoladeneier fürs Kind, aber selbst die werden wohl die Großeltern besorgt haben: Ostern ist nichts Besonderes für Veronika Peters, ein Sonntag im Frühling ohne feierliches Tamtam oder spirituellen Gehalt. "Ganz profan", sagt die Vierzigjährige.Dabei ...

          Ein schönes Frühstück mit der Familie, Schokoladeneier fürs Kind, aber selbst die werden wohl die Großeltern besorgt haben: Ostern ist nichts Besonderes für Veronika Peters, ein Sonntag im Frühling ohne feierliches Tamtam oder spirituellen Gehalt. "Ganz profan", sagt die Vierzigjährige.

          Dabei hat sie sich jahrelang mitten in der Osternacht selbst aus dem Bett gerissen, um in die Kirche zu gehen. War Teil einer Messe, die im Dunkeln begann, bis die Flamme auf dem Altar sich ausbreitete von Kerze zu Kerze in den Händen der Nonnen. Scheinbar endlose Lesungen, sieben Stück, vielleicht sogar zwölf, die ehemalige Benediktinerin erinnert sich nicht mehr genau, ein heilsgeschichtlicher Bogen von der Schöpfung bis zur Auferstehung. Die Gesänge, die leise begonnen hatten, steigerten sich, "und dann explodierte die ganze Liturgie". Der Höhepunkt des klösterlichen Kirchenjahres, großer Aufbruch, Fest der Hoffnung. Der Befreiungsgedanke des Christentums hatte Peters von Anfang an fasziniert. Mittlerweile schimmerte die Dämmerung, dramaturgisch geschickt geplant, durch die Kirchenfenster herein.

          Veronika Peters bezeichnet sich nach wie vor als religiös. Aber in ihrem Bericht über fast ein Dutzend Klosterjahre ist kaum von Gott die Rede. "Es ist kein frommes Buch. Es ist aber auch kein Kirchenhasserbuch", sagt Peters, die nicht erwartet hatte, sich mit dieser Haltung Freunde zu machen. Die einen hätten ein tiefempfundenes Glaubensbekenntnis vermissen können, andere eine wütende Abrechnung mit der Institution Kirche. Stattdessen ist "Was in zwei Koffer passt" (Goldmann, 18 Euro) auf den Bestsellerlisten nach oben geschnellt. Offenbar trifft Peters' Form der Spiritualität ziemlich genau den Nerv der Zeit: Fragen statt Antworten auf einer hartnäckigen Suche nach Sinn.

          Veronika Peters raucht. Anstelle eines Eherings, wie sie ihn als Nonne trug, rankt sich ein tätowierter Schnörkel um den Ringfinger ihrer rechten Hand. Sie singt nur noch mit ihrer Tochter, Kinderlieder. Ihr Leben zwischen den Spielplätzen und Straßencafés im Umfeld des Berliner Kollwitzplatzes hat nichts mit ihrem einstigen Alltag hinter Klostermauern zu tun. Peters macht nicht den Eindruck, als würde ihr etwas fehlen. Ganz im Gegenteil. Sie sagt, sie sei zufriedener denn je. Zu ihrem eigenen Erstaunen habe sie nicht einmal Lust umzuziehen.

          Warum nur wollte ausgerechnet sie mit 21 Jahren ins Kloster?

          "Es muss etwas mit deiner Kindheit zu tun haben", sagt eine Freundin bei der Einkleidung der jungen Frau zur Novizin, weil sie nicht fassen kann, dass die andere partout nach Habit und Schleier strebt. Tatsächlich scheint deren Familie, "in der sehr viel schiefgelaufen ist", die perfekte Spielwiese für Küchenpsychologen. Der cholerische Vater, ein Alkoholiker, lässt der Tochter "keine Luft zum Leben", mit 15 Jahren bricht sie aus und den Kontakt zu den Eltern ab. Veronika Peters weiß, dass die frühe Selbständigkeit sie anfällig machte für die Sehnsucht nach stabiler Gemeinschaft. Als sie ihren VW Käfer mit den zwei Koffern darin vor der Klosterpforte parkte, hatte sie immerhin schon mit linken politischen Idealen, mit der Hausbesetzerszene und dem Buddhismus geflirtet. Und die Klostertherapie hat der gebeutelten Seele auch keineswegs geschadet: "Ich denke im Nachhinein, dass diese lange Zeit der Auseinandersetzung, des Nachdenkens, auch mit der Begleitung, die man dort teilweise hat, dass das auch eine Zeit des inneren Gesundens war." Aber das, ergänzt Peters sofort, sei eine Begleiterscheinung gewesen - mehr nicht.

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